Kommentar

Sich selbst überschätzt

Marc Stevermüer zur Situation beim VfB Stuttgart

Michael Reschke lehnte sich im vergangenen Sommer recht weit aus dem Fenster. Mit dem Abstieg, da legte sich der Sportvorstand des VfB Stuttgart fest, werde sein Club eher nichts zu tun zu haben. Ein halbes Jahr, eine Trainer-Entlassung und elf Bundesliga-Niederlagen später steht fest: Der gebürtige Rheinländer überschätzte den Kader der Schwaben – und somit auch sich selbst.

Mehr als 30 Millionen Euro investierte Reschke vor dieser Saison, kein einziger Neuzugang hat der Mannschaft bislang geholfen. Noch dazu schmerzt der Abgang eines Spielers, dessen Bedeutung die VfB-Verantwortlichen kolossal unterschätzten: Daniel Ginczek. Er entlastete nicht nur Mario Gomez in der fraglos starken Rückrunde der vergangenen Saison, sondern bildete mit ihm einen funktionierenden Angriff. Einen adäquaten Ersatz für Ginczek holten die Stuttgarter nicht – und wundern sich nun, dass sie mit mageren zwölf erzielten Treffern den schwächsten Angriff aller Erst- und Zweitligisten bilden.

Da auch die Abwehr mit jetzt schon 35 Gegentoren bedenklich wackelt, ist der VfB mit dem Relegationsrang noch gut bedient. Denn eigentlich fehlt es an allem, vor allem an Tempo im Mittelfeld, weshalb es nur einen Schluss gibt: Im vergangenen Sommer lief bei der Stuttgarter Personalplanung ziemlich viel schief. Und sollte der Aufwärtstrend unter dem im Herbst geholten neuen Trainer Markus Weinzierl in der Rückrunde ausbleiben, wird es eng für ihn. Und somit auch für Michael Reschke.

 
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