Kommentar

Sicherheit kostet

Ulrike Bäuerlein zu Hackerangriffen auf die Forschung: Bundesländer müssen mehr in die Sicherheit dieser Computernetzwerke investieren

Die Autonomie der Hochschulen ist eine der heiligsten Kühe von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Das ist gut so. Aber die Hochschulen sind eben im Zeitalter der Informationstechnologie keine abgeschiedenen Elfenbeintürme mehr. Vernetzung und die Bearbeitung gewaltiger Datenmengen sind Voraussetzung ihres Erfolgs. Kein Wunder, dass die wichtigsten Sektoren – Hochtechnologiebereiche, naturwissenschaftliche Forschung und Entwicklung sowie Energietechnik – begehrte Ziele von Cyber-Spionageangriffen sind. Es ist davon auszugehen, dass die wachsende Zahl von qualitativ schwerwiegenden Attacken auf Wissenschaft und Forschung nur der Anfang einer erst noch bevorstehenden Angriffswelle ist.

Doch viele Hochschulen und Institute dürften völlig überfordert damit sein, die IT-Sicherheit so autonom aus ihren eigenen Etats zu gewährleisten, wie sie es müssten. Selbst dann, wenn das Ministerium – wie bereits in Angriff genommen – Strukturen schafft, um ihnen im Expertenwissen zur Seite zu stehen.

Geballte Angriffswellen abzuwehren, hinter denen zum Teil offenbar auch ausländische Nachrichtendienste stecken, gelingt vielleicht informationstechnologischen Spitzeneinrichtungen wie dem Karlsruhe Forschungszentrum Informatik. Aber wohl kaum einer kleineren Hochschule, deren Finanz- und Personalressourcen weitaus bescheidener sind. Etatautonomie bedeutet aber in diesem Fall: Soll massiv in IT-Sicherheit investiert werden, muss die Einrichtung an anderer Stelle – etwa an Forschung und Lehre – sparen. Das ist weder im Interesse des Landes noch der Hochschulen. Neue Herausforderungen wie Cyberattacken erfordern neue Antworten – und Geld.

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