Kommentar

Sie machen ernst

Archivartikel

Christian Rotter zu den Entscheidungen der Adler

 

Einen Neuanfang anzukündigen ist das eine – ihn in die Tat umzusetzen das andere. In den vergangenen Jahren hatten die Adler nicht nur einmal nach einer enttäuschenden Saison zugesagt, jeden Stein umdrehen zu wollen. Die aus dieser Analyse resultierenden Schlüsse als halbherzig zu bezeichnen, wäre jedoch eine Übertreibung. Nun machen sie allerdings ernst.

Clubboss Daniel Hopp hat die Faxen dicke. Mit der Entlassung der kompletten sportlichen Führung im Dezember des vergangenen Jahres – nicht nur die Trainer Sean Simpson und Colin Müller, sondern auch Manager Teal Fowler wurden vom Hof gejagt – hat die Mannheimer Revolution begonnen. Sie wurde fortgesetzt mit der Verpflichtung von Pavel Gross als neuem starken Mann im sportlichen Bereich. Dass auch im Spielerkader der Umbruch größer ausfällt als vermutet, ist die logische Konsequenz.

In Gross investiert

Um die Arbeit eines Trainers fair zu beurteilen, gilt es zu berücksichtigen, wie groß sein Einfluss auf die Zusammenstellung der Mannschaft war. Wie viel Pavel Gross steckt also in den Adlern der Saison 2018/2019? Kann das vorhandene Personal seine Spielidee umsetzen?

Der Club hat nach der abgelaufenen Runde Tabula rasa gemacht und wird sich dies auch einiges kosten lassen. Während der Umbruch auf dem deutschen Sektor überschaubar ist, kommt die Neuausrichtung bei den Ausländern einer Radikalkur gleich. Nur Thomas Larkin, Chad Kolarik und Luke Adam sind davongekommen, wobei Letztere unter Beobachtung stehen: Ihre Verträge laufen 2019 aus. Nur wenn sie sich steigern, dürfen sie auf eine Verlängerung hoffen.

Klar ist: In seinem ersten Jahr bei den Adlern wird Gross noch nicht sein Wunschteam beisammen haben. Der Club hat ihm mit seinen Personalentscheidungen aber die Möglichkeit gegeben, die Schlüsselpositionen nach seinem Geschmack zu besetzen. In der Verteidigung werden noch zwei Topleute kommen, im Sturm vielleicht sogar noch drei.

In Wolfsburg hatte Gross mit Führungsspielern wie Tyler Haskins oder Mark Voakes bei der Besetzung dieser Posten ein glückliches Händchen. Wenn er mit seinem engen Vertrauten Jan-Axel Alavaara genauso gut zusammenarbeitet wie mit Charly Fliegauf, ist in Mannheim einiges möglich. Erst recht, wenn die Adler ihre Scheuklappen absetzen und akzeptieren, dass nicht nur in Nordamerika gutes Eishockey gespielt wird. Sollten wirklich zwei Finnen kommen, wäre das ein erster Schritt. Weitere müssen zweifelsohne folgen.

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