Kommentar

Pro und Kontra Verbraucher wollen gesund essen und auf den Nährwertgehalt von Lebensmitteln achten / Informationen dazu sind nicht immer unabhängig

Sind Farbsymbole von Herstellern sinnvoll?

 

Rot, Gelb oder Grün – um mögliche Auswirkungen von zuviel Zucker oder Salz auf die Gesundheit zu veranschaulichen, ist die Ampel sehr gut geeignet. Sollte man meinen. Denn Ampel ist nicht gleich Ampel, es gibt unterschiedlichste Modelle von Wissenschaftlern. Und jetzt kündigen die Lebensmittelkonzerne auch noch eine selbst entworfene Skala an. Unser Pro und Kontra zum Thema:

PRO: Von unserem Korrespondenten Wolfgang Mulke

Ampelfarben auf Fertiggerichten sind weder eine Bevormundung der Verbraucher noch ein sinnloses Vorhaben ewiger Bedenkenträger. Sie wären lediglich ein brauchbarer Hinweis für Konsumenten, die normalerweise, ohne groß nachzudenken, zur Tiefkühlpizza oder zur abgepackten Currywurst greifen.

Doch die auffällige Kennzeichnung regt zum Nachdenken über das eigene Konsumverhalten an und verbessert es wohl auch. So klappt es in einigen Großküchen schon ganz gut – die Kunden dort sind eher dankbar für leicht erkennbare Hinweise. Trotzdem lassen nicht alle „rote“ Jägerschnitzel oder ,,orangene“ Pasta-Kreationen links liegen – wer darauf Appetit hat, kann und soll auch zugreifen. Die Nahrungsmittelindustrie wittert zwar eine Diskriminierung ihrer Produkte, doch diese Sorge ist vorgeschoben.

Jahrzehntelang haben die Hersteller die Verbraucher an immer höhere Dosen an Zucker, Salz oder Fett gewöhnt. Das war zum Teil dem Wettbewerb geschuldet, weil Verbraucher eben eher zu einem geschmacksintensiven Produkt greifen. Die Unternehmen haben aber damit auch zum Problem Übergewicht beigetragen. Einige Hersteller wollen das Rad nun zurückdrehen. Das ist zwar löblich, aber genau genommen der Versuch, ein selbst gelegtes Feuer zu löschen.

Von Klagen der Industrie über eine Entmündigung der Verbraucher durch eine Ampelkennzeichnung sollte sich die Politik nicht einlullen lassen. Des Problems sind sich die Konzerne ja durchaus bewusst – sonst würden sie beispielsweise den tatsächlichen Zuckergehalt von Speisen auf der Zutatenliste nicht durch verschiedene Bezeichnungen für ein und denselben Inhaltsstoff verschleiern. Das Problem mit der Ampel hat die Industrie, nicht der Verbraucher, der im Mittelpunkt stehen sollte.

Kontra: Von unserem Redaktionsmitglied Hasan-Hüseyin Kadioglu

In der Theorie klingt es hervorragend: Auf einen Blick soll der Kunde erkennen: „grün“, also gutes Lebensmittel – oder „rot“, also Finger weg. Aber wie verlässlich sind die Kennzeichnungen? Nur wenig. Denn es gibt weder staatliche Vorgaben, ab wann ein Produkt als „grün“ oder „rot“ gilt, noch eine einheitliche Ampel. Jeder Hersteller kann seine eigenen Kriterien festlegen.

Und so bewertet die „Industrie-Ampel“ den Brotaufstrich Nutella mit „Grün“ sowie „Gelb“. „Rote Ampel“? Fehlanzeige! Und das obwohl Nutella zu fast 90 Prozent aus Zucker und Fett besteht. Der Trick: Diese Ampel rechnet mit „Portionen“ statt wie üblich mit einem Wert pro 100 Gramm.

Damit Lebensmittel-Ampeln überhaupt verlässlich sind, müssten sie von unabhängigen Experten erstellt werden sowie einheitlich und verpflichtend für alle Produkte sein. Der Verbraucher muss schließlich die verschiedenen Lebensmittel miteinander vergleichen können.

Doch selbst wenn es eine einheitliche und obligatorische Kennzeichnung gäbe, wäre der Nutzen davon noch immer begrenzt. Denn obwohl es richtig ist, dass die Ampeln den Verbraucher nicht entmündigen sollen, gaukeln sie diesem die Unbedenklichkeit eines Lebensmittels vor. Die Ampeln sind jedoch keine verlässlichen Indikatoren für Gesundheit – Angaben zu Zusätzen wie Farb- und Konservierungsstoffen, Geschmacksverstärkern, Süßungsmitteln und Stabilisatoren fließen nicht in die Bewertung mit ein.

Kurios: Selbst das Modell unabhängiger Experten vergibt einer Cola light eine „grüne Ampel“, da sie mit Süßstoffen statt Zucker versehen ist. Macht das die Cola jetzt gesund? Wohl kaum. Lebensmittel-Ampeln – nicht nur von Herstellern – sind missverständlich, gar trügerisch. Daher sind sie ungeeignet als Entscheidungshilfe für Verbraucher.

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