Kommentar

Sinnfrage muss gestellt werden

Stefan M. Dettlinger zu Mannheims Plänen mit dem Pfalzbau

Jetzt haben wir den Schlamassel. Da denkt die Kulturregion seit Jahrzehnten darüber nach, ob es möglich sei, auch bei großen Institutionen über kommunale und Ländergrenzen hinweg zu kooperieren; zumindest in der ersten Kulturvision stand das zur Schaffung kultureller Leuchttürme auch in den Zielen. Und jetzt, wo sich eine solche Chance auftut, ist das Geschrei – in Ludwigshafen – groß. Warum? Ganz einfach: Ludwigshafens Intendant Tilman Gersch fürchtet nicht nur um sein Theater und das selbstbestimmte Arbeiten. Er fürchtet um seinen Job. Und Bürgermeisterin Cornelia Reifenberg konnte ihm die Angst jetzt auch nicht nehmen.

Wieder ist es mehr die Art und Weise, wie die Dinge geschehen, die sie so unschön machen. Ist es denn nicht möglich, dass man diejenigen, die es in ihrer Existenz betrifft, ins Verhandeln und Planen intensiv mit einbezieht?

Zudem stellt sich die Sinnfrage. Als vor Jahren Heidelberg eine Tanzkooperation mit Freiburg einging, war klar: Unsinn. Eine Kooperation mit Mannheim wäre die einzig sinnvolle Lösung gewesen. Hier aber ist die Sache anders. Ob das Nationaltheater gut beraten ist, während der Sanierung am Goetheplatz und der Ludwigshafener Brücken im Pfalzbau zu spielen, ist das eine Fragezeichen. Dabei geht es um die harte Währung Abonnements. Und wenn der vielzitierte Satz stimmt, dass Konkurrenz das Geschäft belebt, sollte die Region auf die vielen exzellenten Schauspiel- und Tanzgastspiele in Gerschs Pfalzbau keinesfalls verzichten.