Kommentar

Späte Strafe

Archivartikel

Wolfgang Mulke zu den Folgen des Dieselskandals

Langsam treten die Spätfolgen des Dieselskandals ans Licht. Die Verbraucher wenden sich von diesem vergleichsweise energieeffizienten Antrieb ab. Der Diesel-Anteil bei Neuzulassungen ist unter die Marke von 30 Prozent gerutscht. Vor dem Skandal war fast jedes zweite neue Auto ein Diesel. Selbst die Geschäftskunden wenden sich von der Technologie ab. Das ist die späte Strafe für den Vertrauensbruch, den nicht nur Volkswagen als Hersteller zu verantworten hat.

Auch die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Autoländer tragen an dieser Abwärtsentwicklung gehörige Mitschuld. Jahrelang haben sie den Diesel als saubere Übergangstechnologie gepriesen, den Gesundheitsschutz der Bevölkerung dabei links liegen lassen. Dann haben sie sich mit Fahrverboten oder zumindest der Androhung von Beschränkungen von Gerichten vorführen lassen. Statt Schuld den Verursachern zuzuweisen, blieben die Diesel-Besitzer auf dem Wertverlust ihrer Fahrzeuge sitzen. Welcher Kunde mag da noch das Vertrauen aufbringen, dass im Lebenszyklus seines Neuwagens nicht wieder ein Skandal hochkommt, der Nerven und Geld kostet?

Häme gegenüber Industrie und Politik ist nicht angebracht. Für die Umwelt ist es keine gute Nachricht, wenn nun mehr Benziner und Hybridfahrzeuge unterwegs sind. Letztere entpuppen sich in Studien zum Beispiel immer wieder als ungeeignet für die Rettung des Klimas. Bis die E-Mobilität eine bedeutende Alternative wird, dauert es noch lange. Wenn der Diesel nun als verträgliche Übergangstechnologie an Gewicht verliert, hilft dies niemandem.

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