Kommentar

Spannende Zeiten

Marc Stevermüer zur Transferpolitik der Löwen

Wissenschaftler Albert Einstein sagte einst, dass er niemals an die Zukunft denke, schließlich komme diese früh genug. In der Tat bietet es sich oftmals nicht an, zu sehr voraus zu blicken. Im Profi-Sport ist genau das bei der Kaderplanung aber unerlässlich. Wer langfristig denkt und vorbereitet ist, maximiert seine Erfolgswahrscheinlichkeiten. Jahrelang machten das die Rhein-Neckar Löwen in der Handball-Bundesliga mit einer stringenten Personalpolitik vor, es folgten zwei Meisterschaften und ein Pokalsieg als logische Konsequenz dieser Weitsicht. Und dieses Geschick ist jetzt erneut gefragt.

Die Gefahr von Notlösungen

Denn die Helden von einst werden älter – oder weggeschickt wie Gedeón Guardiola und Mads Mensah Larsen. Gewiss: Bei beiden Spielern kann man die Entscheidung mal mehr, mal weniger nachvollziehen. Und zwar völlig unabhängig davon, dass das Duo seit einigen Wochen zu den besten Löwen gehört. Aber Mensah Larsen ist seit 2014 da und war nie unumstritten. Und Guardiola ist neben Ilija Abutovic der zweite reine Abwehrspezialist. Ein Luxus, den man sich nicht leisten muss. Beide Spieler gehen zu lassen, ist deshalb nicht vollkommen unverständlich.

Wenn man sich aber zu einer Beendigung der Zusammenarbeit entscheidet, ist es umso wichtiger, einen Alternativplan zu haben. Wer folgt jetzt auf dieses Duo? Das ist die spannende Frage. Oder eben nicht. Denn bislang sind keine weiteren Transfers neben Albin Lagergren geplant. Die Löwen zögern – doch wie gefährlich das ist, hat der Verein zuletzt mehrfach schmerzhaft erlebt. Eine oder gar zwei Notlösungen, wie sie der Club in der jüngeren Vergangenheit mit Momir Rnic, Kristian Bliznac und Vladan Lipovina präsentierte, können bei den Ansprüchen des Vereins ebenso wenig eine ernsthafte Antwort auf den Abschied von Mensah Larsen und Guardiola sein wie das Warten darauf, ob sich etwas ergibt.

Es geht immer um Titel

Denn damit würden die Badener trotz des starken Wachstums außerhalb des Feldes zumindest Gefahr laufen, vom eingeschlagenen Weg abzukommen, der sie bis in die europäische Spitze führte – und in der sie nicht nur bleiben wollen, sondern auch müssen. Etwas anderes ist in Mannheim nicht vermittelbar.

Es mag sein, dass manch ein Löwe angesichts dessen nun vom Opfer des eigenen Erfolgs, von zu hohen Erwartungen und verwöhnten Fans spricht. Doch dem ist nicht so. Der Verein steht nun nach all den Triumphen dort, wo er sich hinsehnte. Seit einiger Zeit geht es nicht mehr darum, um Titel zu spielen, sondern sie zu gewinnen. Und für das Erreichen von hohen Zielen helfen eben adäquate personelle Voraussetzungen, ein Mini-Kader ist hingegen ein Risiko. Es kommen also interessante Zeiten auf die Löwen zu. Oder wie sagte einmal der amerikanische Informatiker Alan Kay: „Die Zukunft lässt sich am besten voraussagen, wenn man sie selbst gestaltet.“ Zum Beispiel mit starken Transfers.

 
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