Kommentar

Spiel auf Zeit

Jürgen Berger zur Trainerwahl beim FC Bayern

 

Mit Jupp Heynckes verbindet der FC Bayern München Erinnerungen an glorreiche Zeiten. Im Triple-Jahr schaffte es der Trainer, die Ansammlung sensibler Stars zu einer grandiosen Einheit zu formen - und das soll der mittlerweile 72-Jährige jetzt wieder hinbekommen. Das hoffen zumindest die Bayern-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Kurzfristig macht diese Entscheidung Sinn. Heynckes genießt bei den Wortführern im Team hohes Ansehen, und über seine sportlichen Meriten gibt es keinen Zweifel. Trotzdem betreiben die Münchner ein riskantes Spiel auf Zeit.

Mit der Entscheidung, Heynckes aus dem Ruhestand zu holen, ist klar, dass es im Sommer den längst überfälligen großen Umbruch geben wird. Der Schnitt wird hart ausfallen. Spielern wie Arjen Robben oder Franck Ribery, die Großes für den Club geleistet haben, muss mitgeteilt werden, dass für sie in den Zukunftsplanungen kein Platz mehr sein wird.

In diesem schwierigen Prozess ist unabdingbar, dass die Entscheidungsträger mit einer Stimme sprechen und ein gemeinsames Ziel verfolgen - nämlich den FC Bayern international wieder in die absolute Spitze zu führen. Das geht allerdings nur, wenn der Machtkampf zwischen Hoeneß und Rummenigge über die künftige Ausrichtung des Vereins beendet werden kann. Die Trainerdebatte hat erneut gezeigt, wie unterschiedlich die Ansichten sind. Heynckes war in einer schwierigen Situation auf dem Trainermarkt quasi der kleinste gemeinsame Nenner.

Das Risiko, mit Thomas Tuchel einen sofortigen Neustart einzuleiten, schien der Chefetage nach den Erfahrungen der Dortmunder offenbar zu groß. Auch wenn sie Gefahr laufen, wichtige Monate zu verlieren.

Die Münchner brauchen dringend einen Taktik-Innovator, der auf modernste Methoden setzt. Heynckes verkörpert das - bei allem Respekt - nicht. Der Plan ist, dass er dem FC Bayern bis zum Sommer genügend Luft verschafft, um den passenden Mann zu finden. Eine Festlegung auf Julian Nagelsmann oder Luis Enrique gibt es dabei nicht. Fest steht nur, dass der FC Bayern mutige Lösungen braucht.