Kommentar

Spirale ohne Ende

Archivartikel

Stefan Vetter begrüßt die klare Haltung der Kanzlerin gegenüber den polnischen Reparationsforderungen

Im kommenden Jahr jährt sich der Überfall Hitler-Deutschlands auf Polen zum 80. Mal. Es ist also viel Zeit vergangen seither. Zeit zum Nachdenken und zum Gedenken. Zeit aber auch zur Versöhnung und dem Wunsch, gemeinsam in die Zukunft zu schauen.

Gleichwohl bleibt das Verhältnis zwischen Berlin und Warschau kompliziert. Davon zeugten auch die jüngsten Regierungskonsultationen in der polnischen Hauptstadt. Überschattet wurden sie von der Forderung nach weiteren Reparationszahlungen für die erlittenen Kriegsschäden.

Eine Forderung, die das bilaterale Verhältnis nur vergiften kann. Denn rechtlich und politisch handelt es sich um ein abgeschlossenes Kapitel. Von polnischer Seite wurde dies schon im Jahr 1953 versichert. 37 Jahre später wurde dieser Grundsatz auch im Zwei-plus-vier-Vertrag festgeschrieben, der den Weg zur deutschen Wiedervereinigung freimachte.

Auf 690 Milliarden Euro beziffern Politiker der rechtsnationalen Regierungspartei Pis gleichwohl jetzt eine deutsche Restschuld. Mehr als zweimal so viel wie der laufende Bundeshaushalt. Eine utopische Summe. Und sie ist nur die Spitze des Eisbergs.

Auch in Griechenland werden Reparationszahlungen in dreistelliger Milliardenhöhe geltend gemacht. Eine Spirale ohne Ende. Würden diese Beispiele Schule machen, könnte die ohnehin schon angeschlagene Europäische Union einpacken. Es würde wieder Zwietracht, ja Feindschaft unter den europäischen Völkern regieren. Man würde so tun, als sei in all den fast 80 Jahren kein neues Europa entstanden, als stünde man sich noch gegenüber wie nach Kriegsende. Das kann niemand wollen. Schon gar nicht Polen, das gerade mit tatkräftiger Hilfe der EU einen beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung erfahren hat. Es ist gut, dass Kanzlerin Angela Merkel hier eine klare Haltung zeigt.