Kommentar

Stadt wächst so oder so

Archivartikel

Steffen Mack zur vergeblichen Klage gegen den Zensus

Vor fünf Jahren hat Mannheim, statistisch gesehen, rund 23 000 Einwohner verloren. Das entspricht ganz Feudenheim und ganz Wallstadt. Abgesehen davon, wie schade es um jeden einzelnen dieser Bürger wäre: Ihr Verlust kostet die Stadt viel Geld. Pro Kopf erhält sie jährlich im Zuge diverser Finanzausgleiche etwa 1000 Euro weniger. Macht also 23 Millionen, Jahr für Jahr.

Da war es nicht nur konsequent, sondern sogar quasi die Pflicht der Stadt, sich den Klagen zahlreicher Kommunen gegen die neuen Einwohnerzahlen anzuschließen. Auch wenn leider nichts daraus geworden ist. Das Bundesverfassungsgericht hat die Richtigkeit des Verfahrens gestern bestätigt. Zwar wies es den Gesetzgeber an, beim nächsten Zensus im Jahr 2021 unter Umständen kleinere Korrekturen vorzunehmen. Aber angesichts der unterschiedlichen Erfassungsmethoden – lokale Register oder zentrale Haushaltsbefragung – sollte niemand darauf hoffen, dass Mannheim dann seine 2013 verlorenen Einwohner nachträglich zurückbekommt.

Umso schöner, dass die Stadt auf natürliche Weise wächst: Nach städtischen Zahlen wohnen hier heute fast 16 000 Menschen mehr als vor sechs Jahren. Prognosen, Mannheim werde weiter und weiter schrumpfen, erwiesen sich zum Glück als falsch.

Verantwortlich für den Anstieg ist in erster Linie die Migration, aber nicht nur. Und auf den Konversionsflächen entstehen Wohnräume, die auch Familien aus dem Umland und Fachkräfte von überall her anlocken werden. Das alles kann dem Zensus beim nächsten Mal kaum entgehen.

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