Kommentar

Stark eingedämmt

Archivartikel

Werner Kolhoff zieht nach drei Monaten Corona eine erste Bilanz: Das Virus ist nicht weg, aber dank entschlossenem Handeln unter Kontrolle

Jeder Tag Corona hat etwas mehr Wissen gebracht. Nach drei Monaten heißer Pandemie und den erneuten Beratungen der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch ist der Stand dieser: Das Virus ist nicht weg, aber dank entschlossenem Handeln stark eingedämmt. Unkontrollierte Massenverbreitungen gibt es nicht mehr, aber hier und da lokale Ausbrüche. Sie können jedoch relativ schnell und effektiv nachverfolgt werden. Die Gesundheitsämter sind jetzt gut aufgestellt; die App und die vielen Testmöglichkeiten helfen. Und es gibt genug Notfallbetten.

Alle diese Faktoren machen es möglich, die Corona-Einschränkungen stark zurückzufahren. Die Kinder können deshalb spätestens nach den Ferien wieder in die Schulen und die Kitas. Abstand halten und Maske tragen in allen engen Situationen bleiben darüber hinaus die wichtigste Verhaltensmaßregel für alle Erwachsenen. Ob als Pflicht oder als Empfehlung, ist da egal.

Die Ignoranz vieler Menschen gegen diese einfachen, kaum einschränkenden Grundregeln ist regelrecht asozial. Das Virus ist gefährlich wie eh und je. Wer es heute zu locker nimmt, hat morgen vielleicht einen Toten in der Familie, wie der bedauernswerte Wirt aus Leer. Ebenso zentral bleibt, in Pflegeeinrichtungen und Altenheimen sowie in den Krankenhäusern größte Vorsicht walten zu lassen.

Unter diesen Vorzeichen – Hygiene, Abstand, Vorsicht – geht eigentlich fast alles wieder. Arbeit, Urlaub, Kneipe. Wenn jeder sich so verhält, dass er selbst niemanden anstecken kann, jedenfalls keinen Fremden, und ein anderer kaum eine Chance hat, ihn anzustecken, jedenfalls kein Fremder, sollte die Krise schnell noch besser eingedämmt werden können.

Auch die der Wirtschaft. Was allerdings noch sehr lange bleiben wird, ist das Verbot von Großveranstaltungen mit vielen Teilnehmern und Zuschauern. Ob Schützenfest, Party, Messe oder Bundesligaspiel. Das sind genau die Superverbreitungs-Events, die eine Nachverfolgung hinterher nicht mehr gestatten. Das ist die Ischgl-Lehre. Die Ministerpräsidenten haben das entsprechende Verbot verlängert; es wird nicht das letzte Mal sein. Wahrscheinlich wird es erst anders werden, wenn es einen Impfstoff gibt, denn Hygiene-Pläne werden hier nur im Ausnahmefall greifen.

Masse und Abstand lassen sich eben schwer miteinander vereinbaren. Das bedeutet aber, dass diese gesamte Branche als einzige weiter von umfassenden Shutdown-Anordnungen des Staates betroffen ist. Ihr ist ein gewisses Anrecht auf eine besondere, zusätzliche Unterstützung deshalb nicht abzusprechen.