Kommentar

Starke Leistung

Wolfgang Mulke zur Situation der Landwirte

 

Kaum jemand macht sich Gedanken darüber, ob es morgen beim Bäcker frische Brötchen gibt oder im Café an der Ecke einen Milchkaffee. Diese Erfahrung haben schon Generationen von Deutschen nicht mehr machen müssen. Dahinter steckt eine große Leistung, die man sich gelegentlich vergegenwärtigen sollte. In weiten Teilen des Landes ist schon lange kein oder zu wenig Regen mehr gefallen. Die Landwirte beklagen erhebliche Ernteeinbußen. Das ließe sich abtun, weil der Bauernverband schnell jammert, wenn seinen Mitgliedern Verluste drohen.

Interessant ist jedoch, dass trotz der drohenden Missernte immer noch viele Millionen Tonnen Getreide von den Äckern geholt werden können. Auch bei Milch, Joghurt und Quark wird es keine Engpässe geben. Nicht einmal die Preise schießen angesichts der erwarteten Einbußen in die Höhe. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Der Landwirtschaft sind vielmehr in den vergangenen Jahrzehnten Produktivitätsfortschritte gelungen, die zumindest in unseren Breitengraden die Versorgung sichern, selbst wenn das Wetter nicht mitspielt.

An der Art der landwirtschaftlichen Erzeugung und auch der Verarbeitung und Vermarktung von Lebensmitteln lässt sich vieles kritisieren. Und vielleicht führen Fehlentwicklungen auf Dauer auch dazu, dass die problemlose Ernährung gar nicht mehr so selbstverständlich gewährleistet werden kann. Doch eine Abkehr von der Massenproduktion erscheint wenig realistisch. Es geht eher um eine Fortentwicklung hin zu einem schonenden Umgang mit den Ressourcen. Dahin muss die Gesellschaft die Landwirtschaft bringen, ohne ihre Leistung zu verkennen.