Kommentar

Starke Position

Jürgen Berger zum WM-Titel der US-Frauen

Das Selbstvertrauen der Fußball-Weltmeisterinnen aus den USA kommt nicht von ungefähr. Im „Soccer“ sind sie im eigenen Land sportlich ganz klar die Nummer 1. Der Erfolgskreislauf funktioniert seit Jahren, auch aufgrund einer starken eigenen Profi-Liga, die internationale Stars anlockt. Dadurch gibt es immer wieder Vorbilder für junge Mädchen, die aktuell der meinungsstarken Megan Rapinoe oder Stürmerin Alex Morgan nacheifern. Diese Vormachtstellung wird die europäische Konkurrenz nur schwer brechen können, auch wenn Nationen wie England, Schweden oder die Niederlande den Abstand verkürzt haben.

Die Grundlage für den US-Triumph bilden fast zwei Millionen Mädchen im amerikanischen Soccer-System, das neben dem Schulsport auch immer mehr in Clubs vorangetrieben wird. Frauen-Fußball ist in den USA trotz der anhaltenden Debatte um gleiche Gehälter längst ein Produkt, das seinen Platz im hart umkämpften Sportmarkt gefunden hat.

Olympique Lyon als Vorbild

Auch in Europa wächst das Interesse. Vordenker in diesem Bereich ist Jean-Michel Aulas. Der Chef von Olympique Lyon zeigt seit Jahren, wie gut es funktionieren kann, wenn ein Verein Männer und Frauen unter einem Dach gemeinsam fördert. In Spanien zieht Real Madrid in diesem Sommer als letzter der großen Vereine nach und hat durch den Kauf von CD Tacon jetzt ebenfalls ein eigenes Frauen-Team. Dabei geht es Präsident Florentino Perez nicht um den guten Willen – der Unternehmer glaubt an das wirtschaftliche Potenzial.

In Deutschland ist die Entwicklung durch das frühe WM-Aus dagegen ins Stocken geraten, so dass der DFB und die Vereine ihr Konzept richtigerweise hinterfragen. Ein erster Schritt ist durch die Kooperation des 1. FFC Frankfurt mit Männer-Bundesligist Eintracht gemacht – dieses Projekt kann aber nur der Anfang sein, wenn die Lücke zur internationalen Spitze geschlossen werden soll. Identifikationsfiguren wie Giulia Gwinn, die bei der WM zur besten Nachwuchsspielerin gewählt wurde, gibt es auch bei uns.