Kommentar

Starker Konkurrent

Archivartikel

Rolf Obertreis über die Digitalwährung Libra von Facebook

Allein der Name der neuen digitalen Währung elektrisiert: Libra. Viele assoziieren damit neue Freiheiten, auch wenn der Begriff für Waage steht. Auf gerade mal zwölf Seiten hat Facebook das Konzept für ein neues Zahlungssystem entwickelt. Einfach, digital, schnell und kostengünstig soll Geld fließen, auch weltweit über Grenzen hinweg.

Das Potenzial ist riesig: Facebook zählt weltweit 2,7 Milliarden Nutzer. Von solchen Dimensionen können Großbanken nur träumen. Damit wird Libra zu einem starken Konkurrenten. Mit einem klaren Vorteil gegenüber anderen Digital- und Kryptowährungen: Libra soll eine „stable coin“ sein, gekoppelt an einen Korb der wichtigsten Währungen und zudem abgesichert durch Staatsanleihen.

Trotzdem wird die neue Währung nicht so schnell kommen, wie Facebook-Chef Mark Zuckerberg hofft. Zentralbanken und Aufseher schauen sehr genau hin: Berührt Libra das Geldschöpfungs-Monopol sowie die Geld- und Zinspolitik der unabhängigen Zentralbanken? Ist die Facebook-Währung ein Risiko für die Finanzmarktstabilität? Eröffnet sie Kriminellen und Terroristen neue Möglichkeiten, ihre Aktivitäten zu finanzieren? Wie hält es Facebook bei Libra mit dem Datenschutz? Erfahrungen der Vergangenheit geben Anlass zu erheblicher Skepsis. Das alles ist auf keinen Fall trivial – und muss global geklärt werden.