Kommentar

Stempel aufgedrückt

Alexander Jungert zur Strategie des SAP-Konzerns

Überraschend hat SAP bekannt gegeben, dass Qualtrics – einer der teuersten Zukäufe – an die Börse gehen soll. Dabei wollte Vorstandssprecher Christian Klein die Tochtergesellschaften doch enger verzahnen. Widersprüchlich? Nur auf den ersten Blick. Klein drückt der Strategie jetzt klar seinen Stempel auf, indem er SAP auf das Kerngeschäft konzentriert. So wie er es versprochen hat.

Das Kerngeschäft ist, Unternehmen per Software bei ihren Geschäftsprozessen zu unterstützen. Dazu zählen etwa Buchführung, Einkauf, Produktion, Lagerhaltung oder Personalwesen. Qualtrics, mit dem Kleins Vorgänger Bill McDermott einst dem US-Konkurrenten Salesforce Konkurrenz machen wollte, hat nie perfekt in das Kern-Portfolio von SAP gepasst.

Gleichwohl sieht Klein große Chancen im Marktforschungsgeschäft, das Qualtrics nun deutlich eigenverantwortlicher vorantreiben kann. Durch den Börsengang entstehen stärkere Möglichkeiten, zu wachsen – auch außerhalb des Kundenstammes von SAP. Qualtrics-Mitgründer Ryan Smith, diesen Eindruck hinterlässt er zumindest, steht voll hinter der Geschäftsidee. Durch die Mehrheitsbeteiligung profitiert SAP von einem wachsenden Markt. Zudem bringt der Börsengang Geld ein, mit dem die Walldorfer das Kerngeschäft stärken können.

Zuerst aber hat Klein noch ein anderes Versprechen einzulösen: die Integration des Personalmanagement-Systems SuccessFactors oder des Reisekosten-Abrechnungsprogrammes Concur etwa. Denn diese Lösungen gehören zweifelsohne zum Kerngeschäft von SAP. Daran wird sich Klein messen lassen müssen.