Kommentar

Stiefkind Bildung

Bertram Bähr zur Entwicklung der Grundschulen

Die persönlichen Probleme von Schülern ausblenden und Konflikte ignorieren, um ungestört Mathe und Deutsch eintrichtern zu können: Was vor einem guten halben Jahrhundert noch pädagogisches Allgemeingut war, ist heute undenkbar. Der Blick auf das ganze Kind, auf seine Ängste, seine Stärken und Schwächen ist für die meisten Lehrer längst zur Selbstverständlichkeit geworden – auch wenn es leider nach wie vor Ausnahmen gibt. Moderne pädagogische Konzepte greifen immer weiter um sich, Modelle wie die Ganztagsschule oder ergänzende städtische Betreuungsprogramme gleichen Defizite der elterlichen Erziehung aus.

Alles gut also in der Grundschule? Von wegen! Die Politik hält mit den Herausforderungen, mit denen die Pädagogen zu kämpfen haben, nicht Schritt. Sie versäumt es, genügend Lehrer auszubilden. Sie stellt viel zu wenig Geld zum Beispiel für Inklusion, Sprachförderung oder Sozialarbeit zur Verfügung. Und sie macht den Schulen das Leben mit einem Hin und Her an Konzepten zusätzlich schwer. Trotz aller Lippenbekenntnisse ist Bildung ein Stiefkind geblieben. Das muss sich dringend ändern.

 
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