Kommentar

Stil- und geschmacklos

Marc Stevermüer zu Oliver Bierhoffs Kritik an Mesut Özil

 

Es ist keine vier Wochen her, da predigte der DFB medienwirksam den Zusammenhalt. Dass dies nicht mehr als ein Marketingspruch war, zeigten die Leistungen auf dem Platz – und wird jetzt vor allem bei Oliver Bierhoff deutlich. Die Aufarbeitung des WM-Debakels fängt bei ihm nämlich katastrophal an. Der Manager der Nationalmannschaft präsentiert sich mal wieder als Ich-AG und keilt lieber gegen Mesut Özil. Der war bei vielen Fans sowieso schon unten durch, er ist also ein leichtes Opfer. Sich als DFB-Funktionär allerdings das schwächste Glied in der langen Fehlerkette auszusuchen, ist nicht nur stil-, sondern auch geschmacklos. Bierhoff sollte sich schämen, befeuert er mit seinen Worten doch den Rassismus, der seit Wochen in der Debatte mitschwingt. Nun hat er die Ressentiments noch verstärkt, was schlimmer als der Vorrunden-K.o. ist.

Eigene Versäumnisse

Dass Özil – aber eben auch der DFB mit – in der Erdogan-Affäre so ziemlich alles falsch machte, steht außer Frage. Aber darum geht es Bierhoff mit seiner Demontage des Weltmeisters ja längst nicht mehr. Er will lieber von eigenen Versäumnissen ablenken, was gründlich daneben ging und ihn gestern Abend im ZDF zu einer Rolle rückwärts zwang. Ein Rücktritt wäre die bessere Wahl gewesen – und zur Abwechslung ja tatsächlich mal eine Konsequenz nach dem Debakel.

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