Kommentar

Stochern im Nebel

Peter Reinhardt sieht viele Ungewissheiten in der Statistik

In der Strafverfolgungsstatistik gibt es nur wenige feste Gewissheiten. Da gehört allerdings der ständig wachsende Anteil der Nichtdeutschen unter den Verurteilten dazu. Mit über 41 Prozent liegt diese Quote klar über dem Anteil der Ausländer an der Bevölkerung. Die Politik ist schlecht beraten, wenn sie diese bedenkliche Entwicklung aus Angst vor rechtem Populismus nicht offen anspricht. Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit. Sicher ist zu bedenken, dass unter den Zuwanderern viele junge Männer sind, die in allen Gesellschaften überproportional oft straffällig werden. Dazu kommen die Verstöße gegen das Ausländerrecht, die Deutsche praktisch nicht begehen können. Trotzdem gibt es viele offene Fragen, die den Kriminologen noch viel Arbeit bescheren werden.

Generell ist die Statistik mit Vorsicht zu interpretieren. Denn der Anstieg der Verurteilten ist sicher nicht deckungsgleich mit einer wachsenden Zahl von kriminellen Menschen. Erfahrungsgemäß führen mehr Ermittler zu mehr Anklagen, und im nächsten Schritt produzieren die zusätzlichen Richter auch mehr Urteile. Außerdem klagen die Staatsanwaltschaften, dass die Bürger unduldsamer sind und eher Anzeigen erstatten als früher. Erst in einem oder zwei Jahren wird sich zeigen, ob es dauerhaft wieder mehr verurteilte Straftäter gibt. Im langjährigen Vergleich jedenfalls liegen die Zahlen noch weit unter dem Durchschnittswert. Für Alarmismus jedenfalls gibt es keinen Grund.

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