Kommentar

Stückweise Demontage

Archivartikel

Jan Kotulla zum Verlust des Nummer-1-Status von Vettel

Die Aussage von Ferrari-Teamchef Mattia Binotto hat niemanden überrascht, wohl am wenigsten Sebastian Vettel. In die kommende Saison geht der vierfache Weltmeister nicht mehr mit dem Nummer-1-Status. Dazu war sein Kollege Charles Leclerc im vergangenen Jahr zu stark unterwegs und hat den Heppenheimer sogar im Gesamtklassement hinter sich gelassen. Vorerst sollen beide frei fahren dürfen.

Das ist eine stückweise Demontage des einst als Heilsbringer gefeierten Südhessen. Denn es könnte auch bedeuten, dass Vettel im Saisonverlauf für Leclerc fahren muss. Der lang ersehnte WM-Titel hat bei der Scuderia oberste Priorität. Den hat Vettel aber auch in der fünften Saison nicht geliefert. Vielleicht gelingt dies Leclerc mit seiner frechen unbekümmerten Art, dürften sich die Bosse in Maranello denken. Eine Degradierung Vettels zugunsten des Monegassen haben sich die Verantwortlichen nicht getraut. Noch nicht. Denn wenn man genau hinhört, deutet sich diese schon an. Binotto spricht davon, dass Vettel „im Moment“ die erste Wahl bei Ferrari sei.

Vettels Vertrag läuft Ende 2021 aus. Allein die Gespräche zwischen Ferrari und Lewis Hamilton sprechen dafür, dass der Poker um die Zukunft bereits in vollem Gange ist. Vielleicht hält sich der Heppenheimer alle Optionen ganz bewusst offen. Sollte ihm das neue Reglement ab 2021 mit den schwereren und langsameren Autos den Spaß am Fahren nehmen, ist nicht ausgeschlossen, dass Vettel sich andere Herausforderungen sucht. Oder er auf seinem Anwesen in der Schweiz Gemüse anbaut und sich um seine Familie kümmert.

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