Kommentar

System mit Schwächen

Madeleine Bierlein zu Engpässen bei Medikamenten

Der Lieferstopp aus dem vom Coronavirus besonders hart getroffenen China und das Hamstern von Medikamenten treffen ein bereits äußerst angespanntes System. Schon seit vielen Monaten kämpfen Großhändler und Apotheken mit Lieferengpässen bei Medikamenten. Nun wird es durch die Pandemie noch enger.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Die Pharmabranche bezieht den allergrößten Teil ihrer Wirkstoffe aus China und Indien. Das ist so gewollt, denn dem deutschen Gesundheitswesen erspart die Billigproduktion Kosten in Milliardenhöhe. Dazu kommt, dass zahlreiche Konzerne nur einen einzigen Lieferanten für diverse Ausgangsstoffe haben – denn das geht mit höheren Rabatten einher. Dieses kostenoptimierte System hat vergangenes Jahr seine Schwäche offenbart, als der Blutdrucksenker Valsartan plötzlich nicht mehr verfügbar war. Und das, weil es in einer chinesischen Firma Verunreinigungen gegeben hatte. Die Corona-Krise droht sich noch deutlich stärker auszuwirken.

Apothekerverbände drängen seit langem darauf, die Produktion von Ausgangsstoffen zumindest teilweise zurück nach Europa zu holen und so die Abhängigkeit von China und Indien zu reduzieren. Das aber ist teuer und dürfte Jahre dauern. Doch so viel muss klar sein: Gerade im Gesundheitsbereich ist ein derart anfälliges Konstrukt inakzeptabel. Nach der Corona-Krise braucht es dringend neue Regelungen für die Medikamentenproduktion.

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