Kommentar

System schlägt Stars

Archivartikel

Christian Rotter zum WM-Titel der finnischen Nationalmannschaft

Sieben Spiele, sieben Siege, 36:7 Tore – nach der Vorrunde der Eishockey-WM in der Slowakei sahen sich die Experten bestätigt: Es wäre ein Wunder, wenn sich das russische Starensemble nicht den Titel holen würde. Zu dominant waren die Auftritte von Alexander Ovechkin, Nikita Kucherov, Nikita Gusev, Yevgeni Dadonov & Co. bis dahin. Der Sport ist aber – und das macht einen Großteil seiner Faszination aus – nicht berechenbar. Während sich Russland mit der Bronzemedaille zufriedengeben musste, feierte Finnland den ganz großen Coup – und das zurecht.

Die Skandinavier wurden bei der WM als „Team der Namenlosen“ bezeichnet, weil nur zwei NHL-Profis im Kader standen. Im Gegensatz zu anderen Nationen, die einen Spieler nach dem anderen in die Slowakei nachholten, sobald dieser aus den Play-offs der nordamerikanischen Liga ausgeschieden war, setzte der finnische Trainer Jukka Jalonen auf eine eingespielte Mannschaft.

Diese hat gezeigt, dass ein funktionierendes System wichtiger ist als eine Ansammlung von Individualisten. Der krasse Außenseiter, der in der Vorrunde sogar eine bittere 2:4-Niederlage gegen Deutschland einstecken musste, ritt vor allem nach dem knappen Viertelfinalsieg im Prestigeduell gegen die höher eingeschätzten Schweden auf einer Welle. Und er profitierte von Spielern, die über sich hinauswuchsen: Torhüter Kevin Lankinen, der die Russen und Kanadier zur Verzweiflung brachte, und Kapitän Marko Anttila, der in der K.o.-Runde vier Treffer erzielte.

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