Kommentar

Tabubruch nötig

Archivartikel

Peter Reinhardt sieht Handlungsbedarf bei der Lehrerverteilung

 

Das Gutachten des Rechnungshofs zeigt, dass es keine Zauberformel für die Vermehrung von Lehrerstellen gibt. Aber natürlich weist die umfangreiche Untersuchung Spielräume auf, die bisher nicht genutzt werden. Besonders offensichtlich, aber eben auch heikel ist die Empfehlung, kleine Grundschulen auf den Prüfstand zu stellen. Obwohl da vielerorts weniger als 16 Schüler in den Klassen sitzen, hat die Landespolitik schon vor Jahrzehnten parteiübergreifend einen Schutzzaum um die Zwergschulen gezogen.

Auch aus Angst vor Widerstand der betroffenen Gemeinden und Eltern wird hier ein Tabu gepflegt, das andere Bundesländer längst abgeräumt haben. Natürlich sollen Sechsjährige in dünn besiedelten Regionen nicht morgens schon viel Zeit im Schulbus verbringen. Aber Einsparungen wären auch unter dieser Vorgabe möglich. Nur langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass größere Grundschulen auch besseren Unterricht anbieten können. Ansonsten bekommt die Kultusverwaltung einmal mehr den Spiegel zu ihren verschnarchten Abläufen vorgehalten. Da werden zum Beispiel Schullisten von Hand geführt. Es gibt auch gravierende Fehlentwicklungen. Dass zehn Prozent des Soll-Unterrichts wegen schulischer Konkurrenzveranstaltungen ausfallen, kann auf Dauer nicht so bleiben. Denn das sind mehr Stunden als durch die vieldiskutierten Krankheitsausfälle.

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