Kommentar

Teuer und maßlos

Peter Reinhardt kritisiert überzogenen Artenschutz

Inzwischen hat der Artenschutz Formen angenommen, die nicht mehr nachvollziehbar sind. Da setzt eine EU-Umweltbehörde durch, dass zwei Bäume mit Juchtenkäfern stehenbleiben müssen und die Bahn deshalb zwanzig Millionen Euro Mehrkosten hat. Natürlich ist das wenig gemessen an den Gesamtkosten des Projekts. Bedenkt man aber, dass die Regierung den gleichen Betrag für ihren landesweiten Notfallplan Wald ausgibt, zeigt sich die Absurdität. Es ist ja nicht so, dass hier die allerletzten Exemplare des Käfers gerettet werden. Weil sich das Tier nur ungern zeigt, weiß man ja gar nicht, wie viele es gibt. Noch absurder hat sich der Schutz der Mauereidechsen entwickelt. Die Bahn musste zig Millionen Euro für die Umsiedlung ausgeben. Dabei glauben nicht einmal Naturschutzverbände, dass die Art vom Aussterben bedroht ist. Allein in Stuttgart wird der Bestand auf 140 000 Exemplare geschätzt. Besonders offenkundig werden die Zielkonflikte beim Bau von Windrädern. Für die Gegner ist eine streng geschützte Art wie der Rotmilan eine Art Lottogewinn, um die Anlage zu verhindern. Auch wenn angesichts des Insektensterbens Artenschutz gerade das Gebot der Stunde ist, kann man die Augen nicht vor Auswüchsen an anderer Stelle verschließen. Die Konsequenz kann nur sein, dass die Regeln für die Abwägung zwischen Artenschutz und anderen Belangen neu justiert werden.

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