Kommentar

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Peter Reinhardt beklagt die Situation bei der Ganztagsschule

Bildungsexperten plädieren mit klarer Mehrheit für die Einführung der verbindlichen Ganztagsschule, in der Unterricht, längere Pausen und körperliche Aktivitäten über den ganzen Tag verteilt sind. Das würde schwächeren Schülern helfen, die so auch sprachliche Defizite leichter aufholen können. Die Mehrheit der Eltern, besonders die aus der wortmächtigen Mittelschicht, verlangen dagegen maßgeschneiderte Betreuungsangebote, die freiwillig sind und sich an ihren individuellen Zeitvorstellungen orientieren. Es fällt jedenfalls auf, dass es gerade in Universitätsstädten eher wenige echte Ganztagsschulen gibt. Die Bereitschaft, eigene Bedürfnisse für gesellschaftliche Verbesserungen zurückzustellen, schwindet immer weiter. Wieder einmal widersetzt sich die Realität den bildungspolitischen Wünschen.

Zum Gesamtbild gehört, dass viele Lehrer egoistisch die Skepsis gegen Ganztagsschulen schüren, um sich ihre freien Nachmittage zu erhalten. Den Befürwortern der Ganztagsschule bei SPD und Grünen fehlt eine Idee, wie sie die Widerstände überwinden können. CDU und FDP machen es sich auf der anderen Seite einfach mit ihrem Kurs, alle Formen parallel anzubieten und so die Eltern zu beglücken. Der Mix ist im Endeffekt die teuerste Lösung und erfordert das meiste Personal. Im Streit um die 750 Millionen Bundesförderung zeichnet sich schon ein Thema für den Wahlkampf ab.

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