Kommentar

Theorie und Praxis

Martin Geiger über höhere Fleischpreise

Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Das gilt auch für den Vorschlag, die Mehrwertsteuer auf Fleisch zu erhöhen und die Einnahmen zugunsten des Tierwohls zu verwenden.

Gut gemeint ist der Vorschlag sicher: Gegen bessere Lebens- und Schlachtbedingungen kann kaum jemand etwas haben. Und die meisten Menschen wissen auch (wie es der Vorstoß durch höhere Preise bewirken will), dass es sinnvoll wäre, weniger Fleisch zu essen – für die Gesundheit und fürs Klima. Aber all das lässt sich anders besser erreichen. Damit sind wir beim schlecht gemacht.

Problem Nummer eins: Eine Steuer ist nicht zweckgebunden. Heißt: Das Geld kann nicht nur für einen Zweck verwendet werden. Problem Nummer zwei: Selbst wenn das ginge, wem gibt man es? Nur deutschen Viehzüchtern? Oder auch denen aus dem Ausland, die Fleisch zu uns liefern? Und falls ja, würden die dann aufgrund des Zuschlags wirklich größere Ställe bauen? Eher nicht. Es braucht also andere Lösungen.

Die eine ist das geplante, staatlich kontrollierte Tierwohl-Label, das endlich kommen muss. Es hilft den Verbrauchern, selbst zu entscheiden, was ihnen eine artgerechte Haltung wert ist. Weitere Möglichkeiten sind Gesetze und Verordnungen: Wenn hiesige Politiker der Meinung sind, dass das Tierwohl besser geschützt werden muss, sollen sie – national sowie auf EU-Ebene – entsprechende Regelungen verabschieden. Und nicht an der Mehrwertsteuer herumdoktern.

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