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Christian Rotter zur Volleyball-EM in vier Ländern

Größer ist besser – so einfach ist das. Dieser Schluss lässt sich beim Blick auf die Vergabepraxis von Welt- und Europameisterschaften ziehen. Eine Fußball-EM über den ganzen Kontinent verteilt? Gibt es 2020. Eine Handball-EM, bei der die deutsche Nationalmannschaft bei optimalem Turnierverlauf von Trondheim über Wien nach Stockholm reisen muss? Kommt ebenfalls im nächsten Jahr. Insofern verwundert es kaum, dass auch der europäische Volleyballverband auf diesen Zug aufgesprungen ist.

In Polen, der Türkei, der Slowakei und Ungarn findet die am Freitag beginnende EM statt. Leidtragende sind vor allem die Protagonisten: Die Sportler klagen über eine Mehrbelastung, ihnen stecken in entscheidenden Spielen Reisestrapazen in den Knochen. Und die eingefleischten Fans müssen ganz tief in die Tasche greifen, um sich diese Trips leisten zu können.

Aus finanzieller Sicht mag die Vergabe an vier Länder aufgrund geteilter Kosten ja noch einleuchten. Dass diese Entscheidung allerdings mit einem völlig aufgeblähten Turnier einhergeht, ist überhaupt nicht nachzuvollziehen. Wer will denn schon Spiele sehen, bei denen der Sieger bereits vor dem ersten Ballwechsel feststeht? Niemand – und das wird sich auch in den Einschaltquoten des übertragenden TV-Senders Sport1 niederschlagen.

Wie es besser geht, haben die Faustballer demonstriert. Sie gehen bei der WM 2023 neue Wege, wenn die Finalrunde in der Mannheimer SAP Arena stattfindet. Dieses Konzept ist innovativ – aber auch durchdacht.

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