Kommentar

Totengräber aus Frankreich

Rolf Obertreis über neue Spekulationen um Opel

Ende Mai sah es so aus, als ob man sich bei Opel endlich auf die eigentliche Arbeit konzentrieren könnte. Betriebsrat und Geschäftsleitung hatten sich über einen sozialverträglichen Personalabbau verständigt, Kündigungen und Werkschließungen sind bis 2023 vom Tisch. Wenige Wochen später ist es mit der Ruhe offensichtlich schon wieder vorbei.

Bei Opel brennt die Hütte, der Betriebsrat droht mit Arbeitskampf. Er ist zu Recht empört. Einem Herzstück des Unternehmens – dem Technischen Entwicklungszentrum – droht die Zerschlagung, 4000 Experten sollen womöglich unter das Dach eines anderen Unternehmens schlüpfen. Die Konzernführung versucht, die Aufregung zu dämpfen: Alle Opel-Modelle würden weiter in Rüsselsheim entwickelt. Und noch etliches mehr. Doch es hilft wenig: Die Strategie des neuen Opel-Eigners PSA und von Konzernchef Carlos Tavares beschädigt die Marke und das deutsche Traditionsunternehmen massiv.

Beschäftigte haben zu Tausenden die freiwilligen Abfindungsangebote angenommen, sie flüchten. Potentielle Käufer machen einen Bogen um die Modelle mit dem Blitz. Sieben Prozent weniger Neuzulassungen im ersten Halbjahr sprechen eine deutliche Sprache. Wie will Opel so bis 2020 wieder in die schwarzen Zahlen fahren? Zur Erinnerung: Seit 1999 häuft das Unternehmen jedes Jahr Verluste an, mittlerweile insgesamt in zweistelliger Milliardenhöhe. Vor diesem Hintergrund ist es ohnehin schon erstaunlich, dass es Opel immer noch gibt. Wenn es so weitergeht, entpuppt sich der Hoffnungsträger PSA eher als Totengräber. Warum haben die Franzosen dann Opel überhaupt gekauft?

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