Kommentar

Träume

Hagen Strauß fehlt der Glaube in die Umsetzbarkeit des „Schienenpaktes“ für die Bahn

Schön wär’s, wenn diesmal alle Träume von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer in Erfüllung gingen. Richtig ist, der „Schienenpakt“ ist ein sehr umfassendes Konzept bis zum Jahr 2030. Er zeigt auf, in welche Richtung es für die Bahn gehen soll – mehr Menschen und Güter will man auf die Schiene bringen, die Bahn soll zuverlässiger, pünktlicher, klimaschonender werden.

Klingelt es? Genau. Das ist alles nicht neu, denn schon seit Jahren oder vielleicht Jahrzehnten sind das die Ziele, die Konzern und Bund als Eigentümer ausgeben. Realisierung? Zu oft Fehlanzeige. Neu ist diesmal freilich die Kooperation vieler aus der Sparte Bahn, selbst der Fahrgastverband und die Gewerkschaft der Lokomotivführer haben sich einspannen lassen. Das hat es in der Form noch nicht gegeben, und das könnte für einen Schub sorgen.

Gelingt die Umsetzung des Konzepts einer Eisenbahnpolitik aus einem Guss, wird das nicht nur die Bahn voranbringen, sondern auch positive Effekte für die Passagiere haben, für den Wirtschaftsstandort Deutschland, für Arbeitsplätze und Technologieentwicklung.

Aber, wie so oft, wenn Scheuers PR-Maschine in Gang gesetzt wird, muss man auch hinter die Fassade gucken. So dürfte es beim sinnvollen und längst überfälligen „Deutschlandtakt“ viel länger dauern, bis er bundesweit auf zentralen Strecken umgesetzt werden kann. Es fehlt an schnellen Zügen, es mangelt an zusätzlichen Gleisen, Personal benötigt der Konzern ebenfalls dringend.

Außerdem braucht es für den „Deutschlandtakt“ eine passgenaue Vernetzung mit dem öffentlichen Nahverkehr, mit Bussen und anderen Zubringern. Das ist aber noch lange nicht in Sicht. Wenn Fernzüge zudem viele Flüge überflüssig machen sollen, muss es wieder Nachtzüge auf allen längeren Verbindungen geben.

Ein Viertel des gesamten Güterverkehrs soll bis 2030 auf die Schiene verlagert werden. Bei einer Pünktlichkeitsquote des Schienengüterverkehrs von derzeit bestenfalls 60 Prozent, bei Stornierungen ganzer Zugverbindungen ist das ein mehr als anspruchsvolles Ziel. Selbst Scheuers CSU-Parteifreunde erinnern daran, dass die finanzielle Unterfütterung fehlt. Der Bund gibt zwar in den nächsten zehn Jahren 86 Milliarden Euro zur Sanierung des Schienennetzes. Reichen dürfte das Geld aber nicht, um Scheuers Träume zu erfüllen.

 
Zum Thema