Kommentar

Träumen erlaubt

Jan Kotulla zum starken WM-Auftakt der DEB-Auswahl

Die Art und Weise, wie die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft sich bei der Weltmeisterschaft in der Slowakei präsentiert, lässt für den weiteren Turnierverlauf auf die nächste Überraschung hoffen. Unter Trainer-Vorgänger Marco Sturm hatten die Kufen-Cracks Russland im Olympischen Finale alles abverlangt, sich weltweit Respekt verschafft und Silber gewonnen.

Seitdem ist einiges passiert. Sturm ist in die nordamerikanische Profiliga abgewandert, Routiniers wie Adler Marcel Goc oder der Kölner Christian Ehrhoff haben ihre internationale Karriere beendet. Als der Deutsche Eishockey Bund Toni Söderholm als Trainer quasi aus dem Hut zauberte, fürchteten viele, dass das zarte Pflänzchen Nationalmannschaft leiden würde.

Doch der gebürtige Finne hat es innerhalb kurzer Zeit geschafft, eine Einheit zu formen. Dass er die Final-Torhüter Dennis Endras und Danny aus den Birken zugunsten von Niklas Treutle und Mathias Niederberger zu Hause ließ – dazu gehört Mut. Der wurde gleich mehrfach belohnt. Zum einen ließ sich NHL-Profi Philipp Grubauer nicht lange bitten und flog aus Denver in die Slowakei. Und als der 27-Jährige angeschlagen gegen die Gastgeber nicht spielen konnte, nutzte Niederberger seine Chance und hielt glänzend.

Ein enormer Glücksfall für Söderholm ist natürlich Leon Draisaitl. Auch wenn der Stürmer bis zum Slowakei-Spiel selbst sein größter Kritiker war, im entscheidenden Moment hat der Superstar zugeschlagen.

Stark präsentieren sich auch die Spieler aus Mannheim. Markus Eisenschmid hielt mit seinem Ausgleichstreffer gegen die Slowakei die Hoffnung auf die Wende am Leben, Matthias Plachta hat den Schwung der Meisterschaft ebenfalls mit zur WM genommen. Gewohnt kompromisslos agiert Verteidiger Denis Reul und auch Neuzugang Lean Bergmann ließ sein Potenzial aufblitzen. Einzig der üble Check gegen Top-Talent Moritz Seider trübt die Freude. Dass die Schiedsrichter einen derartigen „Heimvorteil“ durchwinkten, ist nicht nachvollziehbar. Hoffentlich kann der 18-Jährige bald wieder mitmischen, wenn es gegen die Schwergewichte geht.