Kommentar

Trend wird sich verstärken

Rolf Obertreis zur Entwicklung des Goldpreises

Gold ist in diesen Tagen und Wochen der Gewinner an den höchst unruhigen Finanzmärkten. Klar: Das Edelmetall gilt als Krisenwährung. Insofern ist ein Anstieg in diesen unsicheren Zeiten mit Trump-Getwittere, Handelskonflikten, ungelöstem Brexit, Nordkorea, Iran und immer gedämpfteren Konjunktur-Prognosen nachvollziehbar. Aber dass der Preisanstieg solche Ausmaße annehmen würde, hat selbst Experten überrascht. Bis Mai kletterte der Preis auf maximal 1300 Euro. Und viel mehr trauten Analysten dem Gold auch für den Rest des Jahres nicht zu – sie haben danebengelegen.

Zur Unsicherheit als Grund für die steigende Nachfrage kommt vermutlich noch ein weiterer Faktor. Gold wirft zwar keine Zinsen ab. Aber das gilt derzeit eben auch für das Sparkonto, für Tagesgeld und für sichere Bundesanleihen. Mehr noch: Ihre Renditen sind real – unter Berücksichtigung der Inflationsrate – sogar negativ. Da die US-Notenbank Fed die Zinsen gerade gesenkt hat und die Europäische Zentralbank eine weitere Lockerung und noch tiefere Minuszinsen für Einlagen der Banken in Aussicht stellt, wird sich daran nichts ändern. Zinserhöhungen in Europa dürfte es erst wieder in drei, vier Jahren geben, vermuten manche Banker. Das alles spielt Gold in die Hände und dürfte den Trend hin zum Edelmetall, zu Barren und Münzen weiter verstärken. Gold dürfte ein sicherer Hafen bleiben.

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