Kommentar

Triumph der Mentalität

Archivartikel

Jürgen Berger zum Fußball-Wunder des FC Liverpool

Die große Stärke von Jürgen Klopp ist, dass er seinen Spielern ein Gefühl der Unschlagbarkeit vermitteln kann, auch wenn es eigentlich keine realistische Siegchance mehr gibt. Damit schafft es der deutsche Trainerstar seit Jahren, seine Mannschaften an das absolute Leistungslimit zu führen – und vermeintlich besser besetzte Teams zu überwältigen.

Dabei hilft Klopp die wertvolle Gabe, aus hochbegabten Profis, die ihr Potenzial anderenorts nicht ausschöpfen konnten, Stars zu machen – wie zuletzt Top-Torjäger Mohamed Salah. Diese Fähigkeit erzeugt das absolute Vertrauen, ohne das ein Fußball-Wunder wie die magische Nacht von Anfield gegen den FC Barcelona nicht möglich ist.

Dass Liverpool ohne die verletzten Führungsspieler Salah und den Ex-Hoffenheimer Roberto Firmino in der Lage war, doch noch ins Champions-League-Finale einzuziehen, ist deshalb in erster Linie Klopps Verdienst. Der Schwabe lebt diese grandiose Mentalität, niemals aufzugeben, vor.

Überragende Saison

Auch in der Premier League spielt der Tabellenzweite eine überragende Saison, hat nach 37 Partien nur eine Niederlage und 94 Punkte auf dem Konto. Für die so sehr herbeigesehnte Meisterschaft benötigt Liverpool am letzten Spieltag allerdings einen Ausrutscher von Manchester City, dessen Kader in der Breite noch einen Tick besser besetzt ist.

Über diesen Nachteil hat sich Klopp allerdings nie beschwert. Sein Blick geht immer nur nach vorne. Deshalb wird sein Team im Liga-Finale wieder an seine Grenzen gehen, um den nächsten Coup zu landen – und sich danach im Endspiel der Königsklasse zum besten Team Europas zu krönen. Und wenn es mit der ultimativen Belohnung erneut nicht klappen sollte, wird der Trainer ohne zu Jammern den nächsten Anlauf in Angriff nehmen. Deshalb sind die „Reds“ unter Klopp ein Gewinner-Team, selbst wenn sie am Saisonende ohne Titel dastehen sollten.

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