Kommentar

Trump freut sich

Thomas Spang über das Desaster der Demokraten in Iowa: Der Fehlstart gibt dem Präsidenten die Gelegenheit, vom Amtsenthebungsverfahren abzulenken

In Iowa wollten die Demokraten den Startschuss für den Anfang des Endes der Ära Trump geben. Stattdessen gerieten die ersten Vorwahlen zu einem peinlichen Fehlstart, der es dem republikanischen Präsidenten Donald Trump erlaubt, von seinem Amtsenthebungsverfahren abzulenken. Ginge es bloß um die 41 Delegierten, die in dem wenig repräsentativen Agrarstaat im Mittleren Westen vergeben werden, könnte man das Chaos der Wahlnacht getrost vergessen. Doch die Bedeutung der „Caucuses“ genannten Parteiversammlungen geht weit darüber hinaus. Bei den Demokraten haben die Wähler nur zwei Mal nicht den späteren Präsidentschaftskandidaten gewählt. Seit 1996 hatten sie immer den richtigen Riecher gehabt.

Genau deshalb nisten sich die Kandidaten über Monate in dem Bundesstaat ein, schütteln jede Hand, die sie greifen können und werden Experten für Schweinezucht und Sojabohnen. Wer hier gewinnt, bekommt Spendengelder und kostenlose Medienaufmerksamkeit. Das hat in der Vergangenheit Außenseiter wie zuletzt Barack Obama nach vorn katapultiert.

Die systematischen Pannen beim Erfassen der Ergebnisse aus den 1700 Wahlversammlungen betrügen den Sieger oder die Siegerin um den eigentlich verdienten Rückenwind. Am härtesten trifft dies Pete Buttigieg, der in seiner politischen Heimat des Mittleren Westens alles auf eine Karte gesetzt hat. Alle Indikatoren deuten darauf hin, dass er besser abschnitt als Vizepräsident Joe Biden, mit dem er um die Führung im moderaten Lager konkurriert.

Für Biden ist die technische Panne dagegen ein Gottesgeschenk. In vielen „Caucuses“ qualifizierte sich „Onkel Joe“ nicht einmal für die zweite Runde. Es ist offenkundig, dass er nicht die erste Wahl der Demokraten in Iowa war. Vermutlich eher die letzte in dem Führungsquartett.

Unklar blieb, wie weit Bernie Sanders und Elizabeth Warren im Kampf um die Führung auf der Linken auseinanderliegen. Selbst wenn alle das Chaos nutzen, sich irgendwie zu Siegern zu erklären, haben in dieser Wahlnacht alle verloren. Der Gewinner heißt deshalb Michael Bloomberg. Allein der Milliardär wagte es, Dank seines Reichtums, die Lockerungsübungen in dem ländlichen Iowa mit seinen nur drei Millionen zu über 90 Prozent weißen Einwohnern auszulassen. Er profitiert von dem Desaster, weil er nicht auf die Spendengelder und kostenlose Medienaufmerksamkeit angewiesen ist, die Außenseitern ohne tiefe Taschen eine Chance geben. Und natürlich kann auch Trump ausnahmsweise einmal zu Recht über die Demokraten herziehen.