Kommentar

Trumps Mann

Thomas Spang glaubt, dass Douglas Macgregor als Botschafter in Berlin dem deutsch-amerikanischen Verhältnis weiter schaden würde

Der designierte US-Botschafter in Berlin Douglas Macgregor hat zwei Vorzüge gegenüber seinem wenig beliebten Vorgänger Richard Grenell. Der pensionierte Army-Oberst spricht die Landessprache und er twittert nicht. Darüber hinaus könnten die Deutschen den Raufbold vom Pariser Platz schon bald vermissen.

Während Grenell vor allem heiße Luft verbreitete, weiß Macgregor, was er tut. Der Überzeugungstäter wirbt seit langem für einen Abzug der US-Streitkräfte aus Asien und Europa. Und versteht als ehemaliger NATO-Planer im Kosovo genügend von militärischer Logistik, um Donald Trumps im Juni angekündigten Rückzug von 9500 US-Soldaten aus Deutschland umzusetzen.

Im Unterschied zu anderen Offizieren, die in verschiedenen Rollen versuchten, den Präsidenten vor seinen schlimmsten Instinkten zu schützen, verstärkt Macgregor diese. Schlimmer noch, er ist Trumps Ideengeber und Vollstrecker in einem. Schwarz auf weiß hat er in einem Artikel für das rechte Online-Magazin „The National Interest“ 2019 dafür geworben, „den NATO-Zombie ableben zu lassen“. Wladimir Putin wird es ihm danken.

Macgregor gibt darüber hinaus eine bedenkliche Nähe zu rechtsradikalem Gedankengut wie dem Unsinn von dem „großen Bevölkerungsaustausch“ zu erkennen. Damit kann er vielleicht Vertreter der AfD beim Kaffeekränzchen in der Botschaft unterhalten, aber gewiss nichts für die Reparatur des schwer angeschlagenen deutsch-amerikanischen Verhältnisses erreichen. Darauf zu hoffen, dass dieser „Amerika-Zuerst“-Ideologe sich hinter den Kulissen um die Rettung des westlichen Bündnisses verdient macht, wäre mehr als naiv.

Macgregor dürfte die Agenda Trumps als dessen verlängerter Arm effektiv ausführen – ein „Grenell auf Steroiden“. Angesichts dieser Perspektive bleibt die beste Hoffnung eine Abwahl Trumps im November. Da die Corona-Pandemie schnelle Bestätigungsanhörungen im Senat nicht wahrscheinlich macht, könnte Macgregor im günstigsten Fall gleich zu Hause bleiben. Noch hat er keinen Koffer in Berlin.