Kommentar

Trumps Trommler

Archivartikel

Thomas Spang über den US-Botschafter in Berlin: Richard Grenell verbündet sich mit den Totengräbern der europäischen Friedensordnung

Richard Grenell muss seinen neuen Job irgendwie missverstanden haben. Statt den Gepflogenheiten der internationalen Diplomatie zu folgen, positioniert er sich als Speerspitze des Trumpismus in Europa. Ganz offen erklärt er auf der Propaganda-Plattform „Breitbart“ seine Unterstützung für Europas Rechtspopulisten, die er aus der Botschaft am Brandenburger Tor stärken will. Er bejubelt den Aufstieg der Anti-Establishment-Kräfte und identifiziert Donald Trump als deren Inspiration.

Im Stile seines Präsidenten pöbelt er gegen „kleine Zirkel“ in den „Politik- und Medieneliten“, denen egal sei was die „schweigende Mehrheit“ wolle. Dabei erlebe die gerade ein „großes Erwachen“. Ja, wovon denn eigentlich? Dass die europäische Einigung 70 Jahre Frieden, Freiheit und Wohlstand auf dem Kontinent gebracht hat? Früher haben US-Botschafter diese Errungenschaften der transatlantischen Zusammenarbeit hervorgehoben. Grenell dagegen verbündet sich mit den Totengräbern der multilateralen Nachkriegsordnung, die Amerika selber geschaffen hat. Die Turnschuhe, die Trumps Statthalter schon mal bei offiziellen Anlässen trägt, können nicht über das imperiale Gehabe hinwegtäuschen. Von den Anweisungen, die er der deutschen Wirtschaft im Umgang mit Iran erteilt, über die Unterminierung der Europäischen Union bis hin zur Einmischung in die inneren Angelegenheiten. Grenell hätte besser seinen früheren Job bei FOX behalten. Dort wäre er als Agitator und Trommler für den Trumpismus nicht weiter aufgefallen.

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