Kommentar

Türen öffnen

Archivartikel

Angela Boll zur Entscheidung des Eintanzhauses

Im Konflikt, dem die Bürgervereine Innenstadt Ost und Innenstadt West ausgesetzt waren, offenbaren sich zwei Probleme. Zum einen sind engagierte Bürger, die Anwohner zum Wählen motivieren wollen, und dafür viel Zeit und Energie aufwenden, unnötig ausgebremst worden. Zum anderen kann man zumindest darüber streiten, ob eine Ausgrenzung der AfD tatsächlich die Botschaft der Mannheimer Erklärung der Vielen bedeutet. Das Erste hätte schlicht und ergreifend vermieden werden können, wenn die Kommunikation gestimmt hätte. Mag sein, es lag am falschen Informationsfluss der Veranstalter zum Eintanzhaus oder auch daran, dass man sich im Eintanzhaus erst nach der Zusage Gedanken über mögliche Vorwürfe aus der Theaterszene machte. Wie auch immer – bevor etwas eingetütet ist, müssen alle Eckdaten abgecheckt sein. Das ist in diesem Fall unglücklich gelaufen und hätte nicht sein müssen.

Der zweite Punkt ist Auslegungssache, und vermutlich besteht in dieser Hinsicht noch jede Menge Redebedarf in der Theaterszene. Ist es richtig, wenn jemand, der eine Erklärung unterschreibt, die Kunsteinrichtungen als offene Räume beschreibt, AfD-Mitglieder ausschließt? Muss er es sogar, um dem rechten Populismus die Stirn zu bieten? Dürfen Unterzeichner der Erklärung geteilter Meinung sein? Oder muss jetzt eine generelle Lösung für solche Veranstaltungen gefunden werden? Klar ist, wer vor jemandem Türen verschließt, verweigert den Dialog – und darüber muss dringend gesprochen werden.

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