Kommentar

Tunnel als Lösung

Vor vier Jahren war bekannt geworden, dass die Bahn ein bislang ungenutztes, zweites Gleis auf der östlichen Riedbahn reaktivieren will. Seitdem ist die im Osten Mannheims vom Hauptbahnhof zum Waldhof verlaufende Schienenstrecke ein heiß diskutiertes Thema, bei Anwohnern wie bei Politikern. Man kann sogar sagen: Erst dadurch ist eine Debatte über die Frage richtig in Fahrt gekommen, wie der Bahnverkehr in den nächsten Jahrzehnten durch Mannheim und die Region rollen soll.

Wichtig für die S-Bahn

Der Riedbahn-Ausbau ist zum einen wichtig, um den S-Bahn-Verkehr in der Region zu verbessern, auf der Route sollen die Züge Richtung Südhessen fahren mit Stationen in Neuostheim sowie den Bahnhöfen Käfertal und Waldhof, die dafür saniert werden sollen. Auf der anderen Seite bestand von Anfang an der Verdacht, dass der Ausbau gleichzeitig auch „Türöffner“ für künftig noch mehr Güterzüge auf der Strecke ist, wo die Anwohner heute schon unter dem Lärm der Waggons leiden.

Die Befürchtung bestand zu Recht. Denn als das Bundesverkehrsministerium im Herbst 2018 seine Pläne zum Bahnverkehr im Großraum Mannheim vorstellte, lautete die Botschaft vereinfacht gesagt so: Wir bauen ein paar Stellen aus, aber prinzipiell läuft der Verkehr auf den bestehenden Strecken. Und das bedeutet für die Güterzüge in erster Linie die östliche Riedbahn. Es gibt Berechnungen der Bahn, die dort im Jahr 2025 von 253 Güterzügen pro Tag ausgehen. Im Schnitt also alle sechs Minuten ein Zug, die meisten davon nachts.

Seitdem ist allerdings auch einiges passiert. Die Metropolregion hat sich auf die Hinterbeine gestellt. Für den Lärmschutz fordert sie in einem vergangenen Herbst beschlossenen Positionspapier einen Güterzugtunnel unterhalb des Stadtgebiets Mannheim. Sie hat ein Gutachten in der Tasche, das zeigt, dass dies auch technisch möglich ist.

Vorbild Offenburg

Der Bund täte gut daran, einen solchen, ausschließlich von Güterzügen nutzbaren Tunnel zu bauen. Zum einen, weil er Mannheim kaum verwehren kann, was er zum Beispiel im südbadischen Offenburg umsetzt, wo zum Lärmschutz der Bürger ein acht Kilometer langer Güterzugtunnel entstehen soll. Die Kosten von knapp 1,2 Milliarden Euro trägt weitgehend der Bund. Zum anderen entlastet ein Tunnel auch die durch Fern-, Nah- und Güterverkehr heute schon viel und künftig noch stärker befahrenen Trassen im Nadelöhr Mannheim.

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