Kommentar

Typen gefragt

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Jan Kotulla analysiert den Saisonstart der DTM in Hockenheim

Da beendet ein zweifacher Champion seine Karriere und den Verantwortlichen der DTM ist das keine noch so kleine offizielle Ehrung oder Ansage wert! Es scheint als sei die Ausnahmegenehmigung für Mattias Ekström, außer Konkurrenz am Auftaktwochenende des Deutschen Tourenwagen Masters mitfahren zu dürfen, Dank genug gewesen zu sein.

Dabei geht mit dem Schweden wieder ein kerniger Typ, der die Rennserie sowohl auf der Strecke als auch mit seinen flapsigen aber treffenden Sprüchen geprägt hat. Die jüngsten Aussagen des mittlerweile 39-Jährigen dürften den Chefs bei Vermarkter ITR und Veranstalter DMSB (Deutscher Motor Sport Bund) überhaupt nicht gefallen haben. Dabei bezogen sich die meisten Anekdoten Ekströms auf Personen, die nicht mehr in der DTM sind.

Dünnhäutiger Vermarkter

Wie dünnhäutig die ITR angesichts der angespannten Lage mit dem Ausstieg von Mercedes zum Saisonende ist, zeigt sich auch daran, dass keine offizielle Zuschauerzahl veröffentlicht wurde. In der Vergangenheit wurden in schöner Regelmäßigkeit neue Rekordmarken vermeldet, die vorne und hinten nicht stimmen konnten. Mit der Amtsübernahme von Gerhard Berger 2017 hätte da ein Schlussstrich gezogen werden können: realistische Zahlen statt Fantasiewerte. Denn dass das Interesse an der DTM schwindet, war augenscheinlich. Das ist um so bitterer, da die Fahrer vor allem am Sonntag wirklich ein Rennen ablieferten, das an Spannung kaum zu überbieten war.

Aber zu einem Motorsport-Wochenende gehören mehr als zwei Hauptrennen und drei Läufe der Nachwuchsserie Formel 4. Die zwölf Audis im Audi R8 LMS Cup können einen Porsche Carrera Cup oder auch die Formel 3 nicht ersetzen. Stuntshows und Autogrammstunden kommen bei den Fans gut an, aber die Motorsportbegeisterten zieht es an die Strecken, um möglichst oft möglichst viele Autos fahren zu sehen. Um hier nachzulegen, bleibt Gerhard Berger und seinen Mitstreitern nicht viel Zeit. Der packende Auftakt in Hockenheim hat ihnen zwar neue Argumente bei potenziellen Einsteigern geliefert, aber am Ende dreht sich alles ums Geld: Der Einsatz muss sich für die Hersteller lohnen. Nur dann hat die DTM eine Zukunft. Und wird hoffentlich Typen wie Mattias Ekström und seinen Bruder im Geiste Timo Glock nicht ausbremsen.

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