Kommentar

Über den Erwartungen

Archivartikel

Christian Rotter zu Markus Eisenbichlers Vierschanzentournee

Kein Olympiasieger, kein Routinier, kein Geheimfavorit. Bei der Vierschanzentournee haben weder Andreas Wellinger noch Richard Freitag oder Karl Geiger die deutsche Fahne hochgehalten, sondern einer, den vor dem ersten Springen niemand auf der Rechnung hatte: Markus Eisenbichler hat es sich und seinen Kritikern gezeigt. Zwar steht seit seinem 13. Platz in Innsbruck fest, dass er nicht mehr um den Gesamtsieg kämpfen wird, der 27-Jährige hat aber schon jetzt alle Erwartungen übertroffen.

Bei den beiden deutschen Springen belegte Eisenbichler jeweils den zweiten Platz. In Garmisch-Patenkirchen verpasste er den Erfolg, obwohl er in beiden Durchgängen weiter sprang als der japanische Superstar Ryoyo Kobayashi. Das kann man verstehen – muss es aber nicht. Wenn Wind- und Haltungsnoten den Unterschied ausmachen, blicken die wenigsten durch.

Eisenbichler weiß aber, wo er herkommt. Er hat nicht vergessen, dass er am Boden lag – und das ist noch gar nicht lange her. Insofern darf er völlig zu Recht stolz sein auf seine Leistungen bei der Vierschanzentournee. Und dass er seinen Kontrahenten Kobayashi in den höchsten Tönen lobt, macht den deutschen Überraschungs-Überflieger noch sympathischer.