Kommentar

Überfällige Debatte

Anke Philipp über die Gehl-Studie zur Stadtplanung

Eine offene Debatte über Fragen der Stadtentwicklung, wie jetzt vom Rathaus geplant, ist überfällig und trifft den Nerv der Zeit: Immer mehr Bürger und Aktivisten überall auf der Welt wollen sich Flächen ihrer Stadt zurückerobern. Statt Shopping-Malls oder super-teuerer Investoren-Architektur fordern sie Treffpunkte, bezahlbaren Wohnraum, mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer. Die Sehnsucht nach Gemeinschaft wächst, ebenso wie der Wunsch der Bewohner nach schön gestalteten Plätzen, Gemeinschaftsgärten, Park- und Grünzonen. Das hat der Stadtsoziologe Martin Albert jüngst im „MM“ erklärt. Er schlägt vor, kleinteiliger und quartierbezogen zu denken und dabei die Bewohner einzubeziehen. Das will auch die Stadt.

Dabei reicht es aber nicht, schöne Pläne zu schmieden oder noch einen Gutachter mehr zu bemühen. Ideen, die mit Bürgern erarbeitet wurden, hat Mannheim mit dem Entwicklungskonzept Innenstadt oder dem Grün-Katalog Blau-Mannheim-Blau reichlich in den Schubladen. Und Verfahren dieser Art, die anschließend verpuffen, gab es schon früher: Auch der Agenda-21-Aufbruch Ende des 20. Jahrhunderts hat der Stadt vielleicht mehr ökologisches Know-how, aber kaum mehr soziale Errungenschaften gebracht.

Alle an den Tisch zurückholen

Der Blick von außen ist schön und gut. Doch das befreit nicht davon, bestehende Innen-Ansichten zu berücksichtigen. So warnen Mannheimer Architekten vor städtebaulichen Fehlentwicklungen – zum Beispiel beim Ausbau der Uni in den Schlossgarten sowie in die angrenzenden Quadrate. Das hat Gründe, die müssen ernstgenommen werden.

Die Entwicklung der City bleibt zentrale Aufgabe. Aktuelle Herausforderungen wie die Gentrifizierung in den Quartieren, die Sanierung im Altbestand, die Zuwanderung, das Altern der Bevölkerung, ein neues Mobilitätsdenken und der Klimaschutz müssen bewältigt werden. Da ist es nötig, wieder breitere Bevölkerungsschichten für die Lösungssuche zu gewinnen. Bewohner, Einzelhandel, Verbände und Vereinigungen waren einst dabei: Könnte man sie durch die Gehl-Studie zum Mitmachen bewegen, wäre das ein Gewinn.

 
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