Kommentar

Überfällige Vorsorge

Archivartikel

Bei großer Hitze kollabieren nicht nur manchmal viele Menschen. Mannheim hat auch schon erlebt, dass der Rettungsdienst kollabiert. Es gab bereits mehrere Sommer-Sonntage, an denen die Einhaltung der Hilfsfrist Glücksfall war und das wenige eingesetzte Personal so heftig gefordert wurde, dass es selbst Hilfe brauchte. Im August 2018 kippten bei einem Festival auf dem Alten Messplatz in sengender Sonne 137 junge Leute um. Ganz plötzlich mussten daher Sanitätskräfte aus der ganzen Region zusammengezogen werden. Vorsorge gab es keine.

Daher ist es nicht nur völlig richtig, sondern überfällig gewesen, dass die Stadtverwaltung diesmal nachhakt. Seit Jahresbeginn gilt Mannheim als eigener Rettungsdienstbereich – damit liegt die Rechtsaufsicht endlich bei der Stadt. Nun kann, nun muss sie den Beteiligten genauer auf die Finger schauen. Mehr darf sie aber nicht tun.

Offenbar hat sie aber zumindest, wenn auch nach längerer Anlauffrist, etwas erreicht. Es gebe „eine große Sensibilisierung“, heißt es offiziell. Immerhin. Und aus Eigeninitiative engagieren sich zwei Organisationen, ASB und DLRG, besonders. Denn auch wenn es bisher wegen der Hitze nicht mehr Notfälle gab, treffen am Wochenende doch zwei Faktoren aufeinander. Es gibt rein regulär weniger einsatzbereite Fahrzeuge – aber viel mehr Menschen, die sich statt in klimatisierten Büros im Freien, bei zahlreichen Sportveranstaltungen und Festen aufhalten. Da keine Vorsorge zu treffen, wäre sträflicher Leichtsinn.