Kommentar

Üble Propaganda

Detlef Drewes über die Europol-Studie zur IS-Terrormiliz

Es sind vor allem zwei Botschaften, die die Terror-Experten der Europäischen Polizeibehörde Europol verbreiten wollen. Zum einen sehen sie offenbar den sogenannten Islamischen Staat keineswegs am Ende, sondern an einem strategischen Neuanfang, an dem er Frauen aus seiner traditionellen Rolle als Mütter und/oder Sklavinnen entlässt und sie zu Kämpferinnen machen will. Und zum Zweiten enthält die Studie aus Den Haag die mehr oder minder deutliche Warnung vor solchen Terroristinnen, die nun als Selbstmord-Attentäterinnen auf den Westen losgelassen werden könnten.

Dort hat man zwar schon hinreichend bittere Erfahrungen mit gewaltbereiten Frauen gemacht. Dass nun auch der IS den Kreis potenzieller Kämpferinnen für den Heiligen Krieg erweitert, ist neu – und gefährlich. Zumal wenn die Propaganda zwar nicht in den bunten Farben modernen Marketings daherkommt, sondern an andere Bedürfnisse appelliert: an ein Patriarchat, in dem die Frau ihre festgelegte Rolle hat, in dem sie von ihrem Mann behütet wird.

Die Studie ist nicht überraschend. Berichte über Frauen, die an der Seite von Männern für den Islamischen Staat kämpfen, gibt es seit langem. Dass sie nun auch als Märtyrerinnen herhalten sollen, ist nicht weniger verachtenswert, als wenn es um Männer geht. Der IS missbraucht seine Anhänger – ob Mann oder Frau – als Kanonenfutter.