Kommentar

Umweltamt muss liefern

Archivartikel

Thorsten Langscheid über den Baumschutz; in der Stadt

Das grün geführte Umweltdezernat im Rathaus entscheidet also ab sofort darüber mit, ob ein Baum gefällt werden darf oder nicht. Richtig so! Denn den Wert eines Baumes kann man kaum überschätzen – als Erzeuger von Sauerstoff, Schattenspender, Feuchtigkeitsspeicher und Lebensraum für Kleintiere, Vögel und Insekten. Dass dies längst in allen politischen Parteien so gesehen und bewertet wird, stellt der einstimmige Ratsbeschluss zur Verschärfung der Baumschutzsatzung unter Beweis. Der Wille ist also da, Gemeinderat und Stadtverwaltung haben die Absicht, Bäume ab sofort viel besser zu schützen als bisher. Wunderbar. Aber jetzt muss das Umweltamt auch liefern.

Schleichender Schwund

Die Novelle der Satzung – eine Art kommunales „Gesetz“ – ist nicht zuletzt der Initiative „SOS Stadtbaum“ zu verdanken, die seit Jahren auf den schleichenden Baumschwund in der City hinweist. Die dramatischen Fällungen in T 4/T 5 vor gut drei Jahren konnten die Aktivisten seinerzeit nicht verhindern, auch nicht den nach hunderten Bäumen zählenden Kahlschlag in der Offizierssiedlung und anderen Teilen des ehemaligen US-Wohngebiets Benjamin-Franklin-Village. Und es dürfte fraglich sein, ob künftige Baumentfernungen völlig ausgeschlossen werden können – Stichwort Rheindamm, Stichwort Friedrichspark, Stichwort Aubuckel. Denn man sollte sich nichts vormachen: Einen absoluten Schutz kann es auch für Bäume kaum geben. Schließlich muss zumindest vom Grundsatz her die Möglichkeit offen bleiben, auch an Orten bauliche Veränderungen herbeizuführen, wo Bäume stehen.

Strenge Prüfung

Wichtig dabei ist, dass vor der Erteilung einer Fällgenehmigung tatsächlich streng geprüft wird – und dass die Behörden zwischen öffentlichem und privatem Baumbestand ebenso wenig Unterschied machen wie zwischen kleinem Häuslebauer und Großinvestor. Dass Baumfällungen von den Menschen auch nicht immer grundsätzlich abgelehnt werden, zeigt das Beispiel Augustaanlage: Hier war seit vielen Jahren klar, dass der alte Platanenbestand auf Dauer nicht zu retten sein wird. Einer geduldigen und breit angelegten Bürgerbeteiligung ist es zu verdanken, dass der schrittweise Kahlschlag mit anschließender Neubepflanzung möglich wurde.