Kommentar

Unbezahlbarer Beitrag

Ulrike Bäuerlein zum Einkommen von Tageseltern

Eines ist klar: Ohne Tausende von Tagesmüttern könnte Baden-Württemberg den gesetzlichen Rechtsanspruch von Eltern auf die Betreuung von Klein- und Kindergartenkindern nicht einmal ansatzweise erfüllen. Für Alleinerziehende und berufstätige Eltern ist das oftmals flexible und nach persönlichen Bedürfnissen ausrichtbare Angebot der Kindertagespflege meist die einzige Betreuungsmöglichkeit für ihre Kinder. Denn Kita-Plätze sind rar, und die Öffnungszeiten der Einrichtungen passen häufig nicht zum Berufsalltag.

Vor allem im ländlichen Raum leistet die Kindertagespflege einen unbezahlbaren Beitrag bei der Kinderbetreuung. Tagesmütter- und Väter müssen ihre Eignung nachweisen, sich qualifizieren und fortbilden. Die gesetzlichen Ansprüche an ihre Tätigkeit sind hoch und durchaus vergleichbar mit denen an Erzieher. Geradezu erbärmlich ist dagegen die Bezahlung – im Vergleich zum Anspruch an die Qualität. Auf nicht einmal die Hälfte des gesetzlichen Mindestlohns kommt die im Auftrag des Landesverbands erstellte Studie über den tatsächlichen Verdienst der Tageseltern – 4,08 Euro stehen dabei als Stundenlohn unter dem Strich. Bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 36 Stunden entspricht dies einem Nettoverdienst von gerade einmal 147 Euro pro Woche.

Kein Wunder, dass die Zahl der Tagesmütter immer weiter abnimmt, obwohl der Betreuungsbedarf steigt. Wenn Land und Kommunen nicht schnellstens nachlegen und für eine angemessene Bezahlung der Tageseltern sorgen, fällt ihnen die Kinderbetreuung wieder auf die Füße. Und das wird dann noch viel, viel teurer.