Kommentar

Undiplomatisch

Stefan Vetter über den Drohbrief des US-Botschafters Richard Grenell an deutsche Unternehmen: Es geht ganz klar um Wirtschaftsinteressen

Richard Grenell ist ein treuer Diener seines Herrn. Nicht nur, dass sich der US-amerikanische Botschafter in Deutschland seine Sporen als Kommentator bei der Fernsehsendung „Fox-News“ verdiente, dem ultrakonservativen TV-Lieblingskanal von US-Präsident Donald Trump. Der gänzlich undiplomatische Diplomat ist gleichsam auch ein Trump-Zwilling, wenn es um die rücksichtlose Durchsetzung wirtschaftlicher US-Interessen in der gesamten Welt geht.

Deutschen Firmen, die sich am Bau der Ostseepipeline Nord Stream 2 beteiligen, drohte Grenell jetzt ziemlich unverhohlen in einem Brief mit Sanktionen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Grenell in Deutschland wie ein Provinzstatthalter aus der Zeit der Römer aufführt.

Schon kurz nach seinem Amtsantritt im Mai des vergangenen Jahres hatte er deutsche Unternehmen zur Einhaltung der US-Sanktionen gegen den Iran ermahnt – und damit für große Irritationen in Berlin und bei Wirtschaftsvertretern darüber hinaus gesorgt.

Offiziell muss das Feindbild Moskau für Grenells aktuellen Vorstoß herhalten. Der Amerikaner sorgt sich um die europäische Energiesicherheit, wenn der alte Kontinent auf russisches Erdgas angewiesen sei. In Wahrheit sorgen sich Trump und sein Knappe Grenell aber wohl eher um den Absatz von verflüssigtem Erdgas aus den USA – der Einfluss der heimischen Wirtschaft lässt grüßen.

Vor ein paar Monaten warb derselbe Grenell in einem Gastbeitrag für eine deutsche Wirtschaftszeitung ganz offen für mehr Lieferungen des vergleichsweise teureren US-Rohstoffs nach Europa. Und was die Energiesicherheit angeht: Schon jetzt bezieht der Westen einen großen Teil seines Erdgases aus Wladimir Putins Reich. Und es ist nicht bekannt, dass Russland dabei bisher jemals vertragsbrüchig geworden wäre.

Handelsbeziehungen sind letztlich auch ein politischer Stabilisierungsfaktor. Es ist gut, dass Außenminister Heiko Maas (SPD) bereits deutlich gemacht hat, dass Europa keinen US-Vormund braucht, um über die eigene Energieversorgung zu entscheiden.

Noch besser wäre es, Grenell formal ins Außenamt einzubestellen und es ihm persönlich zu sagen. Das wäre eine klare Botschaft an die US-Politik.