Kommentar

Unerträgliche Botschaft

Jan Kotulla über den abgewendeten Olympia-Ausschluss Russlands

Geplant war, dass die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada am 9. Dezember eine Entscheidung fällt, ob Russland aufgrund der erwiesenen Manipulationen im Zusammenhang mit der russischen Anti-Doping-Agentur Rusada für die Olympischen Spiele in Tokio gesperrt wird. Insofern ist es unverständlich, weshalb jetzt Informationen an die Öffentlichkeit kommen, die diesen Spruch vorweg und der Wada faktisch die Entscheidungshoheit nimmt. Es scheint so, als ob man vor dem Internationalen Olympischen Komitee eingeknickt sei. IOC-Boss Thomas Bach hatte sich immer wieder gegen einen Komplett-Bann ausgesprochen.

Dabei darf man nicht vergessen, dass es sich bei Russland um einen scheinbar unbelehrbaren Wiederholungstäter handelt. Bereits 2016 und 2018 durften russische Sportlerinnen und Sportler nur unter olympischer Flagge an Olympia in Rio de Janeiro und Pyeongchang teilnehmen. Schon das war angesichts der erdrückenden Beweise eine Schande. Bach und das IOC haben damit viel Vertrauen in den Anti-Doping-Kampf verspielt. Die Paralympics-Verantwortlichen hatten da klarere Kante gezeigt. Mittlerweile ist selbst der Leichtathletik-Weltverband aufgewacht und zieht harte Grenzen. Die Zeit wachsweicher Kompromisse sollte endgültig vorbei sein.

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