Kommentar

Unfähig zur Reform

Archivartikel

Peter Reinhardt kritisiert die Schullobby

Vom Abitur hängt viel ab. Die Noten können über den Zugang zum Traumberuf entscheiden. Zu Recht achten Schulleitungen und Lehrer darauf, dass bei der Prüfung nichts schiefgeht. Entsprechend groß ist die Nervosität an den Prüfungstagen.

Diese Fürsorge ist angemessen. Dagegen ist die Diskussion über die Verteilung von Abituraufgaben per USB-Stick völlig aus dem Ruder gelaufen. In Unternehmen müssen solche Umstellungen nebenbei bewältigt werden. Bei Schulen begründen die Lehrergewerkschaften in seitenlangen Schreiben ihre Ablehnung und fahren die Warnung vor Unterrichtsausfall als schweres Geschütz auf. Zwischen den Zeilen scheint die Angst vor Mehrarbeit in den Schulen durch, wenn sie die Aufgaben selbst ausdrucken müssen.

Auch Städte und Gemeinden, die sich sonst gerne an der Spitze des Fortschritts sehen, profilieren sich als Bedenkenträger. Dabei sind sie verantwortlich, wenn Schulen mit veralteten Kopierern Angst vor Abi-Pannen haben. Besser wäre es sicher gewesen, wenn das Ministerium ein einheitliches Verfahren für alle Fächer gewählt und den Schulen etwas mehr Vorlaufzeit gelassen hätte. Doch mit solchen Details beschäftigen sich die Verbände gar nicht. Ihnen geht es um Krawall. Damit stellen sie den Lehrern ein schlechtes Zeugnis aus.