Kommentar

Unfassbarer Zustand

Schon seit Jahren behaupten Eltern und Bildungsgewerkschaften, dass in der Praxis weitaus mehr Unterricht an den Schulen im Land ausfällt, als es die jährlich nur stichprobenartig erhobenen Zahlen vermuten lassen, die das Kultusministerium vorlegt. Gefühlt fällt definitiv mehr Unterricht aus: Schüler berichten von Hohl- und Vertretungsstunden, in denen Filme geschaut oder fachfremde Beschäftigungsangebote gemacht werden. Eigentlich unfassbar: Es gibt keine verlässlichen Zahlen. Bis heute hat es kein Kultusminister geschafft, den Schulen die Daten abzuringen, auf deren Basis die Personalplanung gemacht werden müsste.

Das Kultusministerium stochert auf Basis einer mehr als lückenhaften Stichprobe im Nebel und redet sich das zweifelhafte Ergebnis schön. Wenn nur so getan wird, als ob in den Schulen Unterricht stattfindet, muss sich über das Abschneiden von baden-württembergischen Schülern in Leistungsvergleichen niemand wundern. Immerhin: Kultusministerin Susanne Eisenmann geht im Gegensatz zu ihren Amtsvorgängern das Thema an. Im Juni ließ sie erstmals landesweit an allen Schulen eine Woche lang den Unterrichtsausfall dokumentieren. Bestätigen sich die Zahlen der Eltern, hat Eisenmann zu Beginn der Sommerferien zwar das nächste Problem, aber erstmals Klarheit über das Ausmaß. Peinlich genug, dass die Eltern nun in Teilen die Arbeit des Kultusministeriums übernommen haben.

Zum Thema