Kommentar

Ungerechte Unterschiede

Archivartikel

Peter Reinhardt zu den Widersprüchen der Lehrerarbeitsstudie

Ganz sicher sind die Herausforderungen für Lehrer in den vergangenen Jahren größer geworden. Bei den Schülern sind die Leistungsunterschiede gewachsen, aber gleichzeitig bei vielen Team- und Konzentrationsfähigkeit geschrumpft. Dazu kommt eine Elternschaft, die zum Teil höchste Ansprüche an die Lehrer stellt. Das gipfelt in der von Politikern genährten Erwartung, dass mit genügend Förderung schon irgendwie jeder zum Abitur gebracht werden kann. Doch das Leid am Job ist offensichtlich nur eine Seite der Medaille. Auf der anderen stehen vergleichsweise hohe Zufriedenheitswerte.

Diese Freude belegt ein Widerspruch in der Arbeitszeitstudie, der nicht zu den von den Lehrerverbänden angestimmten Klageliedern über ausufernde Belastungen im Beruf passt. Fast die Hälfte aller Gymnasiallehrer gibt an, sie würde mehr als 45 Stunden in der Woche arbeiten – auch in den kleineren Ferien rund um Ostern und Pfingsten. Das nimmt jeder anders wahr, der schon mal in den Pfingstferien am Gardasee oder an der Adria Urlaub gemacht hat. Generell beruhen die Angaben zur Arbeitszeit auf selbst erstellten Protokollen, die nicht einmal auf Plausibilität geprüft wurden. Das schulische System trägt dazu bei, dass die einen immer noch mehr Aufgaben aufgebürdet bekommen, während sich die anderen schadlos wegducken können. So werden die Ungerechtigkeiten nicht beseitigt, sondern vergrößert.

Es ist ganz sicher so, dass es Unterschiede in Fähigkeiten und Leistungsbereitschaft nicht nur bei den Schülern gibt, sondern auch bei den Lehrern.

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