Kommentar

Unglaubwürdig

Dirk Jansch kritisiert die Klimamission von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller will sich bei seiner Reise nach Brasilien als Klimaretter profilieren. Doch den Präsidenten Jair Bolsonaro wird er kaum davon abhalten können, der beschleunigten Abholzung des Regenwaldes Einhalt zu gebieten. Der Rechtspopulist will ohne Rücksicht auf Umweltbelange und die Rechte der indigenen Stämme den Amazonas weiter erschließen. Die Verkleinerung von Naturschutzzonen und Landenteignungen der Ureinwohner durch illegale Goldschürfer und private Großgrundbesitzer sprechen eine deutliche Sprache.

Antrieb dafür gibt Bolsonaro nicht nur die Einhaltung seiner eigenen Wahlversprechen, sondern ausgerechnet das kürzlich abgeschlossene Freihandelsabkommen zwischen den Mercosur-Ländern Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay und der EU. Ziel ist unter anderem der erleichterte Marktzugang für Agrarprodukte aus Südamerika, sprich Soja und Fleisch – der irische EU-Handelskommissar Philip Hogan geht allein bei Fleisch von einem Zuwachs von 100 000 Tonnen in den nächsten fünf Jahren aus. Das bedeutet für die Zukunft zwangsläufig ungebremsten Kahlschlag für Weide- und Anbauflächen – auch in Argentinien.

Und es macht Müllers Klimamission unglaubwürdig. Die Einhaltung des Pariser Abkommens für Klimaschutz ist im Mercosur-Vertrag zwar erwähnt, doch wer Brasiliens laxen Umgang mit gentechnisch veränderten Produkten und Einsatz von Umweltgiften wie Glyphosat kennt, sollte nicht allzu viel erwarten. Statt Bolsonaro irgendwelche Abholzungsquoten abzuringen, sollte sich Müller lieber hierzulande und in der EU dafür stark machen, dass nur noch der Import von zertifizierten Produkten erlaubt ist, also von solchen Waren, die Umwelt- und Klimastandards nachweislich einhalten.

 
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