Kommentar

Ungleiche Partner

Archivartikel

Detlef Drewes zum Handelspakt zwischen der EU und China

Die Weltpolitik sorgt hier und da für eigenartige Konstellationen. Dass sich die chinesische Führung nach vielen Jahren meist ergebnisloser Gespräche über ein Investitionsabkommen mit der Europäischen Union ausgerechnet jetzt zu Zugeständnissen bereiterklärt hat, die kaum jemand für möglich gehalten hatte, liegt an einem Mann, der sein mächtiges Amt noch gar nicht innehat: Joe Biden, der kommende Präsident der Vereinigten Staaten.

Zu dessen Credo gehört seit dem Wahlkampf die Ausarbeitung einer Strategie gegenüber dem –oder besser: gegen den – Rivalen China. Europa erschien ihm dabei als geborener Partner. Schließlich bereitet eine faire ökonomische Zusammenarbeit mit Peking der Gemeinschaft ähnliche Probleme wie den Vereinigten Staaten.

Doch das Abkommen, auf das sich die Europäische Union und das Reich der Mitte nun offenbar kurz vor dem Jahreswechsel verständigt haben, nimmt Bidens Plan einigermaßen den Wind aus den Segeln. In Brüssel macht man auch kein Hehl daraus, dass die Zeit jetzt günstig war, um dieses erste umfassende Abkommen mit der Volksrepublik zu schließen.

Denn die EU hat sich – nach vier Jahren der Frustration mit US-Präsident Donald Trump – vorgenommen, selbstbewusst und als selbstständiges weltpolitisches Schwergewicht zu agieren. Mit diesem Vertrag, so das Kalkül in Brüssel, kann man den Amerikanern auf Augenhöhe begegnen und ist nicht mehr von deren Forderungen abhängig.

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